Montag, 22. Mai 2017

Leiharbeitnehmer oder Zeitarbeiter oder wie es bei ZARA liebevoll genannt wird "PROMOS".

In den letzten zwei Jahren hat sich der Einsatz von Leiharbeitnehmern enorm gesteigert. Früher waren sie in einer "Schmuddelecke", weil sie als "billige" Arbeitskräfte galten. Sie verdienten selbst sehr wenig, während ihre Arbeitgeber sich dumm und dämlich daran verdienten sie teuer zu vermitteln. Sogenannte "Knebelverträge" ließen auch selten zu, dass die Leiharbeitnehmer aus ihren Verträgen so leicht rauskamen. Eine Bindung zu dem vermittelnden Arbeitgeber war sehr selten unter zwei Jahre und man hatte es extrem schwer zu einem anderen Arbeitgeber zu wechseln. In den Verträgen stand meist eine Klausel, dass man nur mit einer sehr hohen Ablöse durch den neuen Arbeitgeber "freigegeben" werden kann. Man war also tatsächlich stets gebunden an den Verleiher bis ein Entleiher sich dazu entschied jemanden zu übernehmen.
Mittlerweile gab es sehr viele Reformen, was das Zeitarbeitssystem angeht. Hier mal kurz in Stichpunkten was da in den letzten Jahren los war:

Quelle: Bundesagentur für Arbeit, 2016


Man kann auch sehr deutlich von einer immer weiter ansteigenden Zahl von Leiharbeitnehmern sprechen. Das wird sich auch so fortsetzen, denn nirgendwo bekommen die Arbeitgeber so flexibel einsetzbare Arbeitskräfte wie bei den Leiharbeitsfirmen.



Nur um auch mal das Verhältnis der Leiharbeitnehmer gegenüber den Festangestellten zu zeigen, hier einige interessante Fakten:



Ein sehr wichtiger Grund warum Leiharbeitnehmer so viel "lukrativer" sind als Festeinstellungen sieht man, wenn man sich die Gehälter der Beschäftigten anschaut:



Bei diesen Zahlen bekommen sehr viele Arbeitgeber natürlich "feuchte Augen" und wollen auch auf den Zug, des sich immer vermehrenden Gewinns, aufspringen.

Aber kehren wir von den allgemeinen Zahlen zu ZARA zurück. Oder besser gesagt zu INDITEX, denn schließlich ist der Mutterkonzern die ausschlaggebende Kraft, die alles fordert, was nur annähernd nach Gewinn und Profit aussieht. Gut so, sagen einige, denn schließlich ist das Ganze ein Geschäft und das Geschäft muss laufen, ansonsten kann man ja dicht machen und keiner mehr hätte einen Job. - Richtig?

Falsch!

Ein Geschäft kann auch laufen, ohne dass man die Mitarbeiter ausbeutet. Ein Geschäft kann auch laufen, ohne dass man wertvolle Fachkräfte durch "billige Arbeitsdrohnen" ersetzt. Leiharbeitnehmer,

  • die aus dem Ausland kommen, kein Wort (oder sehr wenig) deutsch verstehen geschweige denn sprechen können, aber Kunden beraten und bedienen sollen.
  • die für wesentlich weniger Geld bereit sind wesentlich mehr Arbeitsvolumen zu übernehmen.
  • die in ihren Arbeitszeiten sehr flexibel sind (so flexibel, dass sie auch gegen bestehende Betriebsvereinbarungen und Arbeitszeitgesetze verstoßen).


Das Ziel ist klar, um mehr Flexibilität in den Filialen zu haben und dadurch immer mehr Gewinn zu machen und die Produktivität in die Sphären zu treiben, die die hohen Bosse in Spanien verlangen, werden immer mehr Festangestellte ersetzt bzw. entlassen. Wie jetzt in jüngster Vergangenheit geschehen (siehe auch den Text "Abfindungsorgien..." hier im Blog). Es wird nur noch eine "Kernbelegschaft" geben, die aus absolut unternehmensloyalen Marionetten bestehen, wie z. B. die sogenannten "Führungskräfte" und der Rest wird durch die Arbeit von Leiharbeitnehmern erledigt.

Nicht zu vergessen hierbei, dass ZARA bzw. INDITEX natürlich auch auf sog. "Dienstleister" zugreift, die mit ZARA einen Werkvertrag abgeschlossen haben. Dieser ermöglicht sogar noch mehr Freiheiten, denn diese Dienstleister fallen u. a. auch nicht in die Mitbestimmung der Betriebsräte. Das bedeutet, dass man diese Leute noch mehr ausbeuten kann und das völlig legal! - Ist das nicht schön?




Aber da gibt es ja noch in Deutschland, Gott sei Dank, noch so etwas wie Gesetze und Bestimmungen, die z. B. von der Zollbehörde überprüft werden. Aber das ist ein anderes Thema, auf das wir noch definitiv genauer eingehen werden. Versprochen!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen