Freitag, 28. Mai 2021

Abgemahnt und abserviert - So will ZARA langjährige Mitarbeiter*innen einsparen!



Die Corona-Pandemie führte in den letzten Monaten zu vielen Veränderungen im stationären Einzelhandel. Es steht außer Frage, dass Unternehmen sich jetzt mit völlig neuen Herausforderungen konfrontiert sehen. Die derzeitige Entwicklung, welche sich in der gelebten Personalpolitik einzelner Münchner Führungskräfte abzeichnet ist allerdings besorgniserregend: Es scheint so, als würden Manager nun nahezu jede Gelegenheit nutzen, um Mitarbeiter*innen abzumahnen und teilweise in Folge darauf zu kündigen. Wird so versucht, sich auf diese Art und Weise langjährigen Kollegen*innen zu entledigen? Ist das das neue ZARA-Konzept, indem man Corona-Sparmaßnahmen auf den Rücken seiner Angestellten austrägt, oder ist man einfach nur mit der aktuellen Situation überfordert?


Elementare Entwicklungsgespräche werden nicht durchgeführt

Bevor ein mutmaßliches Fehlverhalten abgemahnt wird, finden im Normalfall Gespräche zwischen Führungskräften und Mitarbeiter*innen statt, welche protokolliert werden. Dabei wird die Angelegenheit offen angesprochen und darauf hingewiesen, dass im Wiederholungsfall abgemahnt werden kann. Diese Gespräche finden bei Zara allerdings schon lange nicht mehr statt. Unabhängig davon sind regelmäßige Entwicklungsgespräche teilweise durch Betriebsvereinbarungen klar geregelt: Diese dienen dazu, dass die Beschäftigten Feedbacks erhalten. Auch diese elementaren Gespräche werden von Managern seit Jahren nicht mehr durchgeführt - somit wird Mitarbeitern*innen jegliche Möglichkeit genommen, ihre Arbeitsweise und ihr Verhalten zu verbessern. Andererseits wird im Kontrast dazu jedes noch so kleine, vermeintliche Fehlverhalten direkt schriftlich abgemahnt, ohne dass dies zuvor jemals angesprochen wurde.


Inflationäre Abmahnungen als Folge von Defiziten in der Personalführung


In aktuellen Beispielen wird abgemahnt, weil Kollegen*innen vorgeblich für einen bestimmten Tag unentschuldigt fehlten. Bei Sichtung der Personaleinsatzplanung (PEP) wird hingegen schnell klar, dass die Betroffenen an dem Tag regulär frei hatten. Es werden also Abmahnungen verfasst und versendet, ohne dass Vorgänge zuvor geprüft wurden. Des Weiteren sind Abmahn-Fälle bekannt, weil Beschäftigte sich eine (!) Minute zu spät krankgemeldet haben sollen. Auch hier ist offensichtlich, dass man jegliches Interesse an einem offenen Dialog oder einer Problemlösung verloren hat. Die Häufung von juristischen Auseinandersetzungen und die hohe Mitarbeiterfluktuation in den Stores sind weitere Indikatoren, die auf Defizite in der Personalführung hinweisen.

Einsparmaßnahmen moralisch nicht vertretbar

Es ist nachvollziehbar, wenn ein Unternehmen aufgrund geringerer Umsätze als Folge der Corona-Krise Einsparungen vornehmen möchte. Die geschilderten Methoden sind allerdings einfach nur dreist und inakzeptabel. Wir möchten für alle Verantwortlichen anmerken, dass man für gewöhnlich zu seinen Mitarbeitern*innen steht und diese als Team anerkennt. Wer so mit Menschen agiert, sollte seine Karriere in einer Führungsposition nochmal selbstkritisch überdenken. Die Vergangenheit hat im übrigen durch zahlreiche Beispiele bestätigt, dass die ZARA-Unternehmensleitung auch „loyale“ Führungskräfte jederzeit austauscht und abserviert - unabhängig, davon, wie gut sie vorher „funktionierten“ und losgelöst davon, wie sie gesteckte Vorgaben erreicht haben. Einzelhandel geht auch menschlich - es ist höchste Zeit, dass ein Umdenken in der Unternehmenskultur stattfindet.


An dieser Stelle raten wir allen Betroffenen, die abgemahnt wurden, sich an den örtlichen Betriebsrat zu wenden, um sich beraten zu lassen und hiergegen vorzugehen.

 

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Donnerstag, 17. Dezember 2020

ZARA-Beschäftigte protestieren in Frankfurt gegen Entlassungen

 

André Scheer / ver.di

Mit einer Protestaktion haben die Gewerkschaft ver.di, das internationale Gewerkschafter*innennetzwerk TIE Global und das Frankfurter Prekärlab am 11. Dezember vor der Zara-Filiale auf der Zeil in Frankfurt am Main auf die bevorstehende Schließung aufmerksam gemacht. Im Rahmen dieser Aktion zeigte die lokale Künstlerin Anna Zora Schmitt einige ihrer Arbeiten aus der Werkserie „WWW“. Sie widmet sich dem Thema Wertschöpfung, Wertschätzung und Würde, und zeigt mit ihrer Kunst Spannungseffekte dieser Branche auf.

 

Die Zara-Filiale auf der Zeil öffnet am Samstag, 12. Dezember, zum letzten Mal ihre Pforten für die Kunden. Im September 2020 hatte Zara das Aus für die Filiale und deren 74 Beschäftigten, die Zara jahrelang mit ihrer Arbeit zu einem der erfolgreichsten Einzelhandelsunternehmen gemacht haben, verkündet. „Zara als Teil des spanischen Inditex-Konzerns ist ein wirtschaftlich gut aufgestelltes Unternehmen, das kontinuierlich Gewinnzuwächse  für sich verbuchen kann - zuletzt 3,63 Milliarden Euro. Selbst die Auswirkungen der Corona-Pandemie, die insbesondere den Textilhandel hart getroffen und einige Händler ins Wanken gebracht haben, haben Inditex nicht aus dem Takt gebracht,“ erklärt ver.di-Gewerkschaftssekretär Marcel Schäuble. Im Gegenteil kündigt Inditex weltweit die Schließung von 1.200 Filialen an, „alle profitabel“, um ein neues, digitalisiertes Store-Konzept umzusetzen.

 

Zino Peterek

Sonntag, 30. August 2020

Bekämpfung von Betriebsräten bei Zara - Wehr dich mit ver.di!



Gewerkschaftlich organisiert sein und gleichzeitig als Arbeitnehmer wertgeschätzt werden - passt das zusammen? Immer wieder haben Betriebsräte bei Zara mit Repressalien zu kämpfen. Ein aktueller Fall legt offen, mit welchen Methoden man gegen Vertreter der Belegschaft vorgeht.

Unser Kollege E.M. (Name d. Red. bekannt) aus der Münchner Leopoldstr. ist ein seltenes Beispiel dafür, dass es trotz Führungsposition als Abteilungsleiter und gleichzeitig Betriebsratsmitglied möglich ist, die Interessen der Arbeitnehmer zu wahren und einen offenen und fairen Dialog innerhalb der Belegschaft zu führen. Es ist sehr schade, dass man versucht, ihn wegen seiner ehrenamtlichen Betriebsratstätigkeit zu degradieren.
Aus der Vergangenheit wissen wir, dass Betriebsräte bei Zara oftmals gebrandmarkt werden (wir berichteten hier).


„Mini-Manager“ sollen Aufgaben übernehmen um Autorität zu untergraben

Man geht soweit, dass man sogenannte „Mini-Manager“ aus anderen, bayrischen Filialen heranzieht, die Aufgaben von unserem Kollegen E.M. übernehmen sollen.

„Mini-Manager“ sind bei Zara Verkäufer*innen ohne Führungsposition, die allerdings in „Notfällen“ wie z.B. Unterbesetzung als Vorgesetze (mit allen dazugehörigen Verantwortlichkeiten und möglichen Konsequenzen) agieren und für diesen Tag eine Aufwandsentschädigung von 20,-€ (brutto!) erhalten.

Im Klartext bedeutet das, dass man Kollegen*innen aus weit entfernten Stores in die Filiale der Leopoldstr. entsendet. Bahntickets und die zusätzlichen Personalkosten werden gerne bezahlt, einzig allein mit dem Hintergrund, einen engagierten Kollegen zu degradieren und ihn somit zu schwächen. Mit solchen Mitteln wird systematisch versucht, seine Autorität innerhalb der Belegschaft untergraben und infrage zu stellen.

Nach wie vor besteht - unabhängig von Corona - eine enorme Mitarbeiterfluktuation bei Zara, auch in sämtlichen Managerpositionen. Viele halten den psychischen Druck nur wenige Monate aus - wenn man sich bewusst macht, unter welchen Voraussetzungen gearbeitet wird, verwundert dies nicht. Umso befremdlicher wirkt es, dass man trotz dieser Umstände den Fokus darauf legt, einzelne Mitglieder der Betriebsräte zu schwächen.


Münchner Betriebsräte solidarisieren sich

In diesem Zusammenhang fand in dieser Woche wieder einmal eine Auseinandersetzung vor dem Münchner Arbeitsgericht statt. Wir stellen uns vor unseren Kollegen E.M., der den juristischen Weg geht, und sich gegen derartige Methoden zur Wehr setzt!


Senad Pusina, BR-Vorsitzender Zara, Leopoldstr.:
„Über schlechte Arbeitsbedingungen zu jammern und nicht gewerkschaftlich organisiert zu sein, ist ein absolutes No-Go."

Ramona Dronik, BR-Mitglied Zara, Leopoldstr.:

“Alleine ist man stark, gemeinsam sind wir stärker. Ich und alle Betriebsräte stehen voll hinter E.M..“

Chris Berhorst, BR-Mitglied Zara, Theatinerstr.: 

„Ein Angriff auf E.M. ist ein Angriff gegen uns alle als Betriebsräte. Wir lassen uns nicht einschüchtern.“


 
 wehr.di mit ver.di - Gemeinsam sind wir stark!





Freitag, 26. Juni 2020

Zara: Jeder 4. Store schließt!





Der Corona-Lockdown hinterlässt weltweit verheerende Spuren im stationären Handel. Um 44,1% auf 3,3 Mrd. Euro ist der Umsatz bei Inditex im ersten Quartal eingebrochen. Während man im Vorjahr noch einen Nettogewinn von 734 Mio. Euro erzielen konnte, machte man im letzten Quartal einen Verlust von 409 Mio. Euro. Allerdings verfügt der Konzern weiterhin über Netto-Bar-Reserven von 5,8 Mrd. Euro.


Kräftiges Umsatzplus für den Onlinestore dank Corona

Nun zieht auch Inditex/Zara Konsequenzen und gab erstmals konkrete Zahlen an. Weltweit werden 1.200 Filialen innerhalb der nächsten zwei Jahre geschlossen. Man hält an der Strategie fest, dass man zukünftig weniger, aber dafür noch größere Stores haben möchte. Diese sollen dann auch verstärkt dazu genutzt werden, Pakete für den Online Store zu kommissionieren und zu versenden. Denn der Lockdown hatte für Zara trotz allem auch einen positiven Nebeneffekt: Der Onlineshop machte im ersten Quartal ein kräftiges Umsatzplus von 50% gegenüber dem Vorjahr, im April stiegen die Verkäufe verglichen zum Vorjahr um 95%!

Das ist genau das, worauf die Geschäftsleitung die ganze Zeit hingearbeitet hat - zuletzt wurde den Kollegen*innen in den Filialen immer wieder vermittelt, dass sie Onlineverkäufe aktiv fördern und anbieten. Artikel sollten mithilfe von Ipods direkt für den Kunden online geordert werden. Teilweise gab es sogar interne Ranglisten, welche Mitarbeiter derzeit am meisten Onlinebestellungen erreicht hatten. 


Der Lockdown hat dazu geführt, dass die schon zuvor festgelegt Strategie von Inditex letztendlich nur noch beschleunigt wurde: Weniger Stores und mehr Fokus auf Onlineverkäufe. 1 Mrd. Euro als Investition für den Onlineshop wurden von Pablo Isla, Executive Chairman im Juni hierfür freigegeben.

 

Aus für jede vierte Zara-Filiale

Was bedeutet das für die Kollegen*innen in den deutschen Zara Stores? Fest steht: von den derzeit ca. 70 Filialen wird ca. jede 4. innerhalb der nächsten zwei Jahre schließen. Erstes Opfer dieses Kahlschlags ist der Store in Bremen, welcher Anfang 2021 geschlossen wird. Dieses teilte die Geschäftsführung den Betriebsräten kürzlich mit. Man betonte vorsorglich, dass die Entscheidung nicht im Zusammenhang mit der derzeitigen Corona-Situation stehen würde, diversen Medienberichten sind allerdings gegenteilige Informationen zu entnehmen.

 

„Wenn ihr weiterhin aktiv bleibt, ziehen wir euch den Stecker raus!“

Wie ist die derzeitige Situation in München? Nach der Schließung des Stores der Kaufingerstr. betreibt Zara derzeit noch 5 Filialen in der Neuhauserstr., Theatinerstr., Leopoldstr., Riem Arcaden und im Olympia Einkaufszentrum. Seit Jahren halten sich hartnäckige Gerüchte um das Aus für die Leopoldstr. - trotz mehrfacher Anfragen des örtlichen Betriebsrats schweigt die Geschäftsführung zu diesem Thema. Allerdings lässt ein Satz aufhorchen, den die Personalreferentin in mehreren Monatsgesprächen zum Besten gab. Hier wurde versucht den Betriebsrat konkret mit Aussagen wie „Wenn ihr weiterhin aktiv bleibt, ziehen wir euch den Stecker raus!“ einzuschüchtern. Umsatzzahlen und ein enormer Renovierungsstau, sowie die desaströsen Zustände von Mobiliar und Inneneinrichtung sprechen zusätzlich für ein baldiges Ende der Leopoldstr.- es wird nichts mehr in diesen Standort investiert.

Zara lässt sich nur ungern in die Karten schauen. Wenn eine Filialschließung ansteht, werden Betriebsräte wenige Monate zuvor schriftlich informiert. Auf Fragen zu bevorstehenden Schließungen geht man gar nicht erst ein. Somit ist die Zukunft aller Münchner Filialen ungewiss.


Möglicher Umzug zum Marienplatz oder in das derzeitige Sport Scheck-Gebäude

Seit Jahren ist bekannt, dass Zara um das derzeitige Sport Scheck-Gebäude verhandelt. Durch die bevorstehende Schließung des naheliegenden Karstadt Sports Stores ist es sehr wahrscheinlich, dass Sport Scheck sich verkleinern und in die ehemaligen Räumlichkeiten von Karstadt Sports ziehen wird. Denn seit März gehören Karstadt Sports und Sport Scheck dem gleichen Unternehmen Signa Retail - das Filialnetz wird auch hier massiv ausgedünnt.

Eine andere Option besteht darüber hinaus direkt am Marienplatz: Das Traditionssportgeschäft Münzinger wird seinen Store im Rathaus zum Jahresende schließen. Dieser Prestigestandort mit passender Quadratmeterzahl stellt sicherlich auch eine durchaus denkbare Option für einen zukünftigen Zara-Store dar. Den Zara-Mitarbeitern wird leider nichts anderes übrig bleiben, als abzuwarten, wie sich das Chaos rund um die Münchner Immobilien in der Innenstadt in den nächsten Monate entwickelt. Ausser Zweifel ist leider nur eine traurige Tatsache: die fünf derzeitigen Münchner Zara-Stores wird es in der jetzigen Form bald nicht mehr geben!





Quellen:

Textilwirtschaft: Bis zu 1200 kleinere Läden sollen schließen - Inditex investiert 1 Mrd. Euro ins Online-Geschäft

bild.de: Karstadt Sports mit 70 Mitarbeitern macht dicht „Wir wollten helfen, jetzt werden wir gefeuert!“

sueddeutsche.de: Sport Münzinger schließt Ende des Jahres

Weser Kurier: Zara schließt Filiale in der Bremer Innenstadt

rtl.de: Jetzt hat es auch Zara erwischt: Mutterkonzern Inditex muss bis zu 1.200 Filialen schließen

merkur.de: Mehr als tausend Zara-Filialen vor dem Aus? - Mutterkonzern rutscht ins Minus und reagiert drastisch







Mittwoch, 17. Juni 2020

Zara: So werden Kranke und Mütter während der Kurzarbeit drangsaliert



Zara und Corona - in den vergangenen Monaten blieb es relativ ruhig um den spanischen Arbeitgeber. Den meisten Zara-Beschäftigten in Deutschland erging es vergleichsweise gut zu ihren Kollegen*innen im derzeitigen Einzelhandel: Man einigte sich mit Betriebsräten und stockte freiwillig das Kurzarbeitergeld auf 100% auf. Eine solidarische und richtige Entscheidung, worüber sich die Beschäftigten sehr gefreut haben und die wir an dieser Stelle noch einmal anerkennen möchten.

Mit den ersten Lockerungen nach dem Lockdown und den damit verbundenen Ladenöffnungen verhielt sich der Modekonzern allerdings so, wie man es seit jeher kennt. Betriebsräte wurden nur soweit informiert und einbezogen, damit die Ladenöffnungen schnell durchgesetzt werden konnten. Sobald dies erfolgt war, hielt man sich nicht mehr an zuvor getroffene Absprachen.

 

Hygieneverstöße: Keine Einlassbegrenzungen in Zara-Store

Die im Vorfeld mit Betriebsräten getroffenen Absprachen zu vereinbarten Hygienekonzepten werden nicht eingehalten, bzw. setzt Zara genau das Gegenteil davon in der Praxis um. So wurde in der Münchner Filiale der Theatinerstr. beobachtet, dass an mehreren Tagen, wo vermeintlich keine Mitglieder des Betriebsrats vor Ort waren, Menschen ohne jegliche Begrenzung in die Filiale strömen konnten. Die bizarre Erklärung der Verantwortlichen: Der Doorman hätte „vergessen“ die Kunden*innen zu zählen! Gemäß aktueller bayrischer Verfügung sind 80 Personen für diese Filiale zugelassen, an einem Tag wurde festgestellt, dass sich über 200 Kunden gleichzeitig im Store befanden!

 

Foto: Erol Gurian
Hier geht es zum ver.di-Publik-Artikel: „Kundenservice auf Kosten der Gesundheit“ O-Ton - Chris Berhorst, 37, Betriebsratsmitglied Zara München


Zara-Führungskräfte wollten unter allen Umständen die Anproben öffnen, zuvor wurde hierzu mit Betriebsräten vereinbart, dass hierfür keine Beschäftigten an der Anprobe stehen werden, da Mindestabstände nicht eingehalten werden können und aus diesem Grund Rücksicht auf die Gesundheit der Angestellten genommen werden muss. Im Nachhinein war zu beobachten, wie gleich zwei Kollegen*innen an der Anprobe stehen, und die von Kunden*innen anprobierten Kleidungsstücke abdampfen mussten! Ein dermaßen dreistes Verhalten zeigt, wie beim spanischen Moderiesen Prioritäten gesteckt sind: Umsatz wird über Gesundheit von Kunden und Belegschaft gestellt, auch kann hier keine Rede mehr von Missverständnissen sein - Betriebsräte werden vorsätzlich getäuscht. 
Seit Kurzem wird der Großteil der Beschäftigten wieder nach den üblichen Wochenplänen eingeteilt. In einer internen E-Mail von Anfang Mai wurde Betriebsräten noch folgendes noch von der Personalreferentin zugesagt:

„- Was ist mit Müttern die gezwungenerweise wegen ihren Kindern zuhause bleiben müssen?

=> die würden wir entweder weiterhin in Kurzarbeit lassen oder sie mit Ü-frei planen, wenn sie noch Überstunden haben und gar nicht oder nur teilweise arbeiten können, aber nicht in Kurzarbeit gehen möchten

- Was ist mit Risikogruppen ?

=> hier gilt das gleiche wie mit den Müttern.“



Mütter wurden über WhatsApp belästigt

In der Praxis sah es allerdings etwas anders aus: Betriebsräte wurden von Müttern informiert, dass diese von Vorgesetzten permanent mit Anrufen und zahlreichen WhatsApp-Nachrichten konfroniert wurden. Man akzeptiert nicht, dass die Kinderbetreuung nicht gewährleistet wird, da Kitas in Bayern coronabedingt (außer in der Notbetreuung) keine Kinder annahmen.

Im Klartext bedeutet das, dass junge Mütter tatsächlich gefragt werden, ob sie denn keine Verwandten hätten, die auf die Kinder aufpassen können. Hierbei schreckte man auch nicht davor zurück, dass explizit vorgeschlagen wurde, ob die Eltern, oder Schwiegereltern die Kinderbetreuung übernehmen können - es handelt sich hierbei genau um die Risikogruppen, die während des Lockdowns besonders geschützt werden sollten! Desweiteren wurde von Müttern verlangt, dass sie eine Bestätigung vom Arbeitgeber des Lebenspartners vorlegen sollen, aus der hervorgeht, dass dieser nicht die Betreuung der Kinder übernehmen kann.

 

Kranken Mitarbeitern wurde kein Lohn ausbezahlt

Nicht zum ersten Mal ist auffällig, wie Zara mit kranken Mitarbeitern umgeht: Eine Kollegin meldete sich nach monatelanger Krankheit schriftlich bei allen Vorgesetzten und teilte mit, dass keine Arbeitsunfähigkeit mehr vorliegt. Daraufhin erhielt sie eine Art Begrüßungsmail zurück. In den darauffolgenden Wochen wurde sie von Managern nicht für die Arbeit eingeteilt. Da sie zur Risikogruppe in Bezug auf Corona zählt, verwundert dies nicht. Zara wollte auf diese Menschen Rücksicht nehmen - so wurde es zumindest in der zuvor zitierten E-Mail gegenüber Betriebsräten versprochen. 

Die Realität sieht leider anders aus: Besagter Kollegin wurde für den kompletten Monat Mai kein Lohn ausbezahlt, da sie für den ganzen Monat als unentschuldigt eingetragen wurde. Auf Nachfrage wurde ihr mitgeteilt, dass das so richtig sei, da sie sich ja schließlich nicht mehr gemeldet hätte (!).

Wir möchten an dieser Stelle klarstellen, dass viele Kollegen*innen während des Lockdowns nicht eingeplant wurden, da man schlichtweg gar nicht alle Beschäftigten aufgrund der strengen Regelungen einteilen konnte - alle bekamen ihren Regellohn. Wie hier mit einer Kollegin verfahren wird, entbehrt sich jeglichen moralischen Anstand und grenzt schon an Mobbing.

Üblich wäre gewesen, dass man sich nach monatelanger Krankheit als Erstes vernünftig zusammensetzt, und bespricht, was man als Arbeitgeber dazu beitragen kann, dass es der Kollegin gesundheitlich wieder besser geht. Zara unternimmt das genaue Gegenteil und sorgt dafür, dass sie aufgrund des ausbleibenden Lohns nicht weiß, wovon sie ihre Miete bezahlen soll. Die Fürsorgepflicht wird komplett ignoriert, es macht für uns eher den Anschein, dass man mit derartigen Aktionen kranke Menschen dazu drängen möchte, dass diese freiwillig ihren Job kündigen, anstatt dass man sich mit ihnen ernsthaft auseinandersetzt.



Absprachen wurden nach Öffnung der Läden nicht mehr eingehalten


Ein dermaßen unmenschliches Verhalten Zaras seinen Angestellten gegenüber ist in höchstem Maße inakzeptabel und wird sicherlich nicht ohne Konsequenzen bleiben. Man kann den Betroffenen nur raten, sich rechtlich beraten zu lassen und hiergegen vorzugehen. 

Die genannten Beispiele zeigen auch, dass man bei Zara Betriebsräte weder respektiert, noch mit diesen ernsthaft zusammenarbeiten möchte. Zuvor getroffene Vereinbarungen sollten seitens der Führungskräfte lediglich dafür sorgen, dass örtliche Betriebsräte sprichwörtlich die Füße stillhalten, damit die Läden ohne Probleme in Corona-Zeiten wieder schnell geöffnet werden konnten - sobald die Stores offen waren, hält man sich seitens Zara nicht mehr an zuvor getroffene Vereinbarungen und Absprachen.

Dienstag, 5. Mai 2020

Beschäftigte von H&M, Zara und Primark fordern Hilfe - Millionen Näherinnen in Asien sind Teil der Lieferkette





Beschäftigte der Modeketten H&M, Zara und Primark haben die Unternehmen aufgefordert, einen Beitrag zur Unterstützung ihrer Kolleginnen und Kollegen in den Zulieferbetrieben zu leisten. Millionen Textilarbeiterinnen und -arbeiter insbesondere in Bangladesch, Indien und Sri Lanka seien wegen der Corona-Krise ohne Lohnfortzahlung und meist ohne jede soziale Absicherung entlassen worden. Ihnen drohe nicht nur die Arbeitslosigkeit, sondern Armut und Hunger. Die Fabriken stünden derzeit still.

In dem von Gesamtbetriebsräten und aktiven ver.di-Mitgliedern von H&M, Zara und Primark unterzeichneten Papier heißt es, die Näherinnen in Südasien seien Teil der eigenen Lieferkette. Deshalb dürfe man die Last der Krise nicht auf die Lieferanten und damit letztlich auf die Beschäftigten dort abwälzen. Nötig seien die Weiterzahlung der Löhne auch in der Zeit des Stillstands sowie ein wirksamer Infektionsschutz, ausreichender Abstand zwischen den Nähmaschinen und Schutzausrüstung für die Näherinnen. Außerdem sei das Recht auf gewerkschaftliche Organisierung wichtiger denn je. 


„Die Corona-Pandemie zeigt, wie abhängig wir voneinander sind. Für uns ist das ein Grund mehr, solidarisch mit unseren Kolleginnen und Kollegen entlang der gesamten Lieferkette zu handeln“, heißt es gleichlautend in den Resolutionen der Beschäftigten von H&M, Zara und Primark.

ver.di-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger fordert die Bundesregierung auf, ihren Einfluss auf die Regierungen der betroffenen Länder wahrzunehmen, um die Rechte der Beschäftigten in den Textilbetrieben zu schützen. „Bundesentwicklungsminister Gerd Müller hat letzte Woche ein Konzept vorgelegt, wo- nach sich die Entwicklungshilfe künftig an der Einhaltung von Menschenrechten und nachhaltigen Lieferketten orientieren soll. Im Falle der Textilindustrie in Bangladesch, Indien und Sri Lanka kann die Bundesregierung jetzt zeigen, wie ernst es ihr damit ist.“