Ende Juli berichtete bei RTL Television eine ehemalige Zara-Filialleiterin über angeordnete Einschüchterung und systematisches Mobbing - vor allem gegen Mütter. (Wir informierten hier darüber.) Ermutigt von der Berichterstattung meldete sich danach eine ehemalige Abteilungsleiterin und schilderte ihren bitteren Arbeitsalltag beim Moderiesen. Sie wechselte ihren Wohnsitz für den Job - doch bald folgte die Ernüchterung. Das, was die Führungsetage von Zara von ihr verlangt, kann sie mit ihrem Gewissen nicht vereinbaren.
Die im Bericht "Melanie" genannte ehemalige Führungskraft schildert einen ausgearbeiteten „Umgangskatalog“: „Wenn jemand einen schlechten Tag hat nicht fragen warum, denjenigen zur Not abmahnen wenn er sich nicht so verhält, wie er sollte. Da standen Mitarbeiter drin, die ich auf dem Kieker haben sollte, die ich dann dementsprechend schlechter stellen sollte, als die Anderen, denen ich schlechtere Aufgaben geben sollte, etc.“
Wer sich weigert, wird selbst zum Ziel der Mobbing-Attacken
Als sie sich weigert, ihre Kollegen*innen fertig zu machen, wurde sie selber zum Mittelpunkt der Mobbing-Attacken „Ich musste mich ständig Anrufen hingeben, wo sie mir gesagt haben, wie schlecht ich eigentlich bin, und dass andere das in der Zeit schaffen, ich einfach nicht fähig bin für den Job der Abteilungsleiterin. Und dann haben sie mir Aufgaben gegeben, die unmöglich in der vorgegebenen Zeit zu schaffen waren, sodass ich an meinen freien Tagen und im Urlaub gekommen bin. Habe dann vergessen zu essen in der Zeit, weil ich so viele Aufgaben gekriegt hatte, dass dafür keine Zeit war“ Weiter schildert sie: „Bin dann ziemlich dünn geworden, ja und irgendwann aufgrund meiner Psyche dann zusammengebrochen.“.
Einschüchterung und 1000 Euro Schweigegeld
Nachdem sie mehrere Wochen krank ist, bekommt sie die Kündigung. Sie wehrt sich, und zog gegen ihren ehemaligen Arbeitgeber vor Gericht, doch auch während des Prozesses gehen die Einschüchterungen weiter: „Sie haben mich immer wieder angerufen, mich Mäuschen genannt. Haben mir gesagt, dass ich gegen den Weltkonzern keine Chance habe, dass sie mir 1000 Euro bieten, wenn ich denn den Mund halte und die Klage zurückziehe - das Angebot gilt aber nur die nächsten 10 Minuten.“
Am 09.08. berichtete RTL Television bundesweit bei "Guten Morgen Deutschland", "Punkt 12" und "Explosiv - Das Magazin" über die erneuten Mobbing-Vorwürfe
Zum Glück lässt sie sich nicht einschüchtern, das Gericht spricht ihr eine Abfindung zu. Mutige Aussteiger können es schaffen, dass Zara in Zukunft nicht mehr mit seiner unmenschlichen Geschäftspolitik so einfach durchkommt.
Versteckte Kameras, Einschüchterungen und Mobbing - am 30.07. berichtete RTL in dem Magazin „Explosiv“ und zahlreichen regionalen Programmen über die zahlreichen Missstände in deutschen ZARA-Filialen.
Psychoterror gegen junge Mütter
Erstmals berichtet eine ehemalige Filialleiterin über die unglaublichen Methoden, mit denen man versucht, besonders Mütter aus dem Unternehmen zu drängen.
„Mütter sind nicht flexibel genug, Mütter wollen ausschließlich Frühschichten und den Samstag frei“ heißt es im Interview. Für Zara nicht akzeptabel, denn man wolle ausschließlich flexible Mitarbeiter haben, Deswegen sollte sie aktiv nach „Fehlern“ suchen, um Mütter mit Aufhebungsverträgen aus dem Unternehmen zu drängen: Es sollte abgemahnt werden wenn Mütter „zu oft“ krank waren. „Melden die Mütter sich überwiegend viel krank, wurde eine Statistik separat darüber geführt.“ Wenn Mütter zu spät kamen, oder Kaugummi kauten, wurde abgemahnt, ebenso wenn die Uniform nicht korrekt getragen wurde, oder etwa das Styling nicht „gut genug“ war.
ZARA bestreitet wie immer die Vorwürfe und gab gegenüber RTL an, dass die Zahl der Mitarbeiter im Unternehmen sogar kontinuierlich ansteigen würde, was angeblich „die positiven Ergebnisse unseres Engagements“ zeige, „Kollegen bei der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben zu unterstützen.“ - Ein Statement, bei dem einen leider das Lachen im Hals stecken bleibt!
Doch nicht nur Mütter sind im Visier der Personalabteilung: Auch engagierte Mitglieder von Betriebsräten werden mit zahlreichen, obskuren Abmahnungen schikaniert und so versucht, diese durch systematisches Mobbing „mundtot zu machen“.
Bespitzelung durch heimliche Überwachungskameras in Sozialräumen und Umkleidekabinen
RTL-Recherchen ergaben, dass im Jahr 2015 Mitarbeiter*innen einer Aachener Filiale systematisch bespitzelt wurden. Ein Informant, der für eine Firma gearbeitet hat, welche deutschlandweit für die Sicherheitstechnik bei ZARA zuständig ist, packt aus: „Es wurden expliziert Kameras bestellt, die nur dafür da waren, Mitarbeiter auszuspionieren, ohne deren Kenntnis. (…) Wir weisen die Kunden darauf hin, dass sie, wenn sie das so und so machen, gegen Datenschutzbestimmungen verstoßen.“ - ZARA war das egal, man baute die Kameras trotzdem ein.
Auf RTL-Nachfrage bestätigte ZARA den Einsatz von Überwachungskameras. Es heißt: „Bezüglich Ihrer Frage zum Einsatz von Kameras in einer unserer Filialen im Jahr 2015 können wir Ihnen mitteilen, dass die Verwendung in Zusammenhang mit einer Investigation der Kriminalpolizei stattgefunden hat.“ Merkwürdig nur, dass man bei der Aachener Kriminalpolizei nichts davon wusste, als RTL hier ebenfalls nachfragte! In einem solchen Fall hätte außerdem der örtliche Betriebsrat informiert werden müssen, dieser erfuhr erst im Nachhinein von den Kameras.
Auch n-tv berichtete am 02.08. den ganzen Tag über die Mobbing-Vorwürfe Der Beitrag von n-tv ist hier online!
Am Freitag schlug es 13 - Schwarzer Freitag für real,- von derAktion Arbeitsunrecht. Bundesweit fanden in vielen Städten Aktionen gegen real,- statt.
Bereits 2015 ist die Metro AG aus dem Flächentarifvertrag ausgestiegen. Die 34.000 Beschäftigten in über 280 Filialen sind durch einen dubiosen „Betriebsübergang“ massiven Lohndumping ausgesetzt. Das Metro-Management setzt auf gelbe Gewerkschaften - wirtschaftsfreundliche und arbeitgebernahe Vereinigungen, die gezielt von Unternehmen eingesetzt werden, um einer unabhängigen Organisierung der Belegschaft entgegen zu wirken. Auch ist der exzessive Einsatz von Leiharbeitern mit einem Anteil von bis zu 50% der Belegschaft zu beobachten! Solche Schweinereien dürfen im Einzelhandel keine Schule machen!
Zusammen mit dem AK Union Busting beteiligten sich die Münchner Betriebsräte an Aktionen gegen real,-. Während unsere Kollegen Flugblätter an Passanten und Kunden von real,- verteilten, machten „Matthias“ und „Jose“ von der ZARA-Geschäftsführung den Parkplatz unsicher…
München, vergangenen Dienstag wurde gegen 16:00 in der Filiale der Theatinerstr. ein Feueralarm ausgelöst. Im Obergeschoss wurde dadurch die Glaskuppel automatisch abgeriegelt und es ertönte minutenlang das Alarmsignal. Die Reaktion der Manager vor Ort: Es wurde panisch durch den ganzen Laden gelaufen um herauszufinden, wo man den Alarm wieder abstellen kann. Die Mitarbeiter*innen und Kund*innen in Sicherheit bringen? Weit gefehlt! Der Store war um die Uhrzeit gut besucht, Kollegen*innen waren ratlos: „Was sollen wir machen?“ Als nach geschlagenen zehn Minuten (!) immer noch keine Info an die verunsicherte Belegschaft erfolgte, fragte ein Mitglied des Betriebsrats direkt im Büro bei der Filialleitung nach, warum denn nicht reagiert wird. Diese handelte sofort und tat das einzig Richtige in der Situation: Alle Kollegen*innen und Kunden*innen wurden angewiesen, das Gebäude umgehend zu verlassen.
Kollegen*innen wurden angehalten, weiter zu arbeiten!
Die geschilderte Situation wirft einige Fragen auf: Wieso reagierten die Manager derart fahrlässig und leichtsinnig? Es handelte sich um keinen Testalarm, sondern um einen ungeplanten Feueralarm! Hat die Sicherheit von Menschen hier nicht oberste Priorität? Die Führungskräfte auf der Verkaufsfläche waren ausschließlich damit beschäftigt, den „nervigen“ Alarm wieder abschalten zu können - Kunden könnten sich ja beim Shoppen gestört fühlen… Unfassbar: Mehrere Kollegen*innen, die an der Kasse eingeteilt waren, haben auf Nachfrage, ob sie rausgehen sollen sinngemäß die Antwort bekommen, dass sie erstmal weiter kassieren müssen, bis man was genaues weiß! Derartige Aussagen lassen auch keinen Spielraum mehr für lächerliche Erklärungsversuche, man habe die Mitarbeiter*innen lediglich beruhigen wollen. Gefährlicher Leichtsinn, der im Ernstfall tödlich ist! Wie kann es sein, dass Manager - die teilweise das Amt des Sicherheitsbeauftragten bekleiden - derart naiv und plump in solchen Situationen handeln?
Letzte Übung für den Ernstfall über 4 Jahre her!
Es herrscht seitens ZARA dringender Schulungsbedarf. Führungskräfte müssen für den Ernstfall vorbereitet sein, um schnell und richtig reagieren zu können! Mitarbeiter*innen und Kunden*innen müssen dann sofort aufgeklärt und evakuiert werden. Nicht auszudenken, was passiert wäre, hätte es wirklich im Gebäude gebrannt. Noch nicht einmal der Sammelpunkt vor dem Store war allen Betroffenen bekannt! Nicht verwunderlich, ist die letzte Übung hierfür schon über 4 Jahre her! Auch die zahlreichen Leiharbeiter*innen waren in der Situation überfordert - denn auch sie haben nie eine Unterweisung für den Notfall erhalten! Sicherheitsdefizite, die ZARA schleunichst beheben muss - möchte man nicht, dass die dramatische Nachlässigkeit in Bezug auf Arbeitssicherheit und Brandschutz irgendwann einmal in einer Katastrophe endet!
Bündnis der Münchner Betriebsräte startet bundesweite Petition
Anfang des Monats berichteten wir über das mit dem Hormongift Bisphenol S versetzte Thermopapier, welches für Kassenbelege bei ZARA benutzt wird. Fahrlässig bis ignorant beschreibt am besten das Verhalten der Geschäftsleitung im Umgang zu diesem Thema: ZARA ist seit Jahren über die Gesundheitsrisiken informiert, und unternimmt rein gar nichts, um seine Mitarbeiter*innen und auch Kunden*innen zu schützen. Im Gegenteil - man schweigt sich aus, bzw. leugnet sogar die Fakten!
Am 05.06. berichtete RTL Television bei „Guten Morgen Deutschland“ und „Punkt 12“ bundesweit über das Hormongift Bisphenol S in den ZARA-Kassenbelegen. Einen weiteren Beitrag kann man hier bei RTLNext ansehen. Es folgten zahlreiche Artikel bei Gala, BUND, T-Online, Focus undMerkur um nur eine Auswahl zu nennen.
Offene Kommunikation? - Nicht bei ZARA!
Das alles scheint die ZARA-Geschäftsleitung offenkundig nicht zu interessieren - eine Stellungnahme gab es bis jetzt weder für die Pressevertreter, noch für beunruhigte Betriebsräte. Ein versprochenes Datenblatt über das bei ZARA verwendete Thermopapier, was den Betriebsräten VOR der Berichterstattung in den Medien angeboten wurde, ist bis heute nicht von der Personalreferentin vorgelegt worden - man hüllt sich weiterhin in Schweigen. Mehr noch - es gibt Versuche, das Thema klein zu reden. Manager verhalten sich so, als ob die Medienberichte nichts mit den Filialen zu tun hätte. Aufklärende Informationen werden von Führungskräften weiterhin in den Stores entfernt. Auch die zweifelsfrei nachgewiesenen Werte, die der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND) in dem ZARA-Thermopapier feststellte werden plump abgestritten!
Seit Anfang Juni ist ZARA mal wieder deutschlandweit in den Negativschlagzeilen - und die Geschäftsleitung schweigt...
Beschäftigte werden eingeschüchtert, anstatt aufgeklärt
Kollegen*innen, die aus Ansgst vor den gesundheitlichen Folgen des permanenten Hautkontakts mit dem giftigen Papier vorerst mit Handschuhen kassieren, werden teilweise genötigt, diese auszuziehen - ansonsten würde es sich laut Aussage der Manager um „Arbeitsverweigerung“ handeln. Dreiste Versuche, die Beschäftigten einzuschüchtern, anstatt aufzuklären. Umsatz und Gewinn sind anscheinend die einzigen Parameter, auf die man in der Geschäftsleitung Wert legt. Gesellschaftliche Verantwortung, Gesundheitsschutz, offene Kommunikation, Fürsorgepflicht? - Nicht bei ZARA!
kann man online unterzeichnen! Wir bitten alle Kollegen*innen uns in dieser wichtigen Sache zu unterstützen und die Petition auch solidarisch weiter zu teilen! Es dauert nur wenige Sekunden sich einzutragen und hilft uns allen ein Stückchen weiter, uns unserem Ziel näher zu kommen.