
Montag, 25. Februar 2019
Mittwoch, 20. Februar 2019
Betriebsräte unerwünscht - Rauswurf beim Shoppen!
Dass Betriebsräte in der Fastfashion-Branche nicht gerade mit offenen Armen empfangen werden, ist nichts Neues. Ebenso die Tatsache, dass sie zunehmend bei ihrer Arbeit behindert werden. Bei Zara wird zum Beispiel besonders vehement versucht, die Gründung von neuen Betriebsratsgremien zu verhindern.
Man argumentiert gerne, dass ZARA eine große und intakte Familie sei, in der flache Hierarchien gelebt werden und Betriebsräte nur viel Geld kosten und Abläufe unnötig verkomplizieren würden - Welche Haltung das Unternehmen tatsächlich gegenüber Betriebsräten hat, zeigt eine aktuelle Begebenheit, die sich an einem Samstag in diesem Februar ereignet hat: Zwei Mitglieder der Münchner Betriebsräte machten sich am Wochenende auf den Weg zur Sightseeing-Tour in Bayerns Umland und besuchten im Anschluss unter anderem einen ZARA-Store in der Innenstadt von Erlangen.
Hier begrüßten sie einige Kollegen*innen und schauten sich etwas in der Filiale um. Die beiden wurden vom Filialleiter erkannt und nach ihrem Anliegen gefragt. Da die Kollegen Mitglieder von Betriebsräten sind, wurde von den örtlichen Managern angenommen, dass sie den Store aufgrund von Betriebsratstätigkeiten aufsuchen würden.
Manager wirft Betriebsratsmitglieder aus der Filiale
Vermutlich aus diesem Grund wurde umgehend die für das Gebiet zuständige Personalreferentin kontaktiert, um die weitere Vorgehensweise abzuklären - die Manager wurden schließlich instruiert, die beiden Kollegen des Hauses zu verweisen. Es wurde ihnen 3 Minuten Zeit gegeben, um die Filiale zu verlassen - ansonsten würde man von seinem Hausrecht Gebrauch machen und die Polizei verständigen!
An dieser Stelle möchten wir nochmal deutlich machen, dass die beiden Betriebsratsmitglieder aus privaten Gründen in der Stadt waren und sich lediglich in der Filiale etwas umschauen wollten!
Diese extreme Reaktion seitens der örtlichen Manager und der Personalreferentin ist vermutlich darauf zurückzuführen, dass die betreffende Filiale noch keinen Betriebsrat hat und mit allen Mitteln versucht wird, eine Gründung zu verhindern.
Behinderung und Schikane gehören zum Zara-Alltag
Schon lange erschwert ZARA die tägliche Betriebsratsarbeit - wichtige Informationen werden bewusst vorenthalten, die Übernahme von Anwaltskosten werden verweigert, oder erforderliche Schulungsmaßnahmen werden blockiert, um nur wenige Beispiele zu nennen.
Wie man aber aktuell mit Mitgliedern von Betriebsräten umgeht, die sich privat in den Filialen zum Shoppen aufhalten ist eine komplett neue Dimension!
Wir finden dieses feindliche Verhalten Zara’s gegenüber unseren Kollegen mehr als bedenklich und fragen uns, mit welcher Begründung man dieses noch rechtfertigen kann.
Bundesweit war der Moderiese zuletzt aufgrund seiner dubiosen Personalpolitik in die Negativschlagzeilen geraten: "Mobbing und Bespitzelung", „Zara hat mich krank gemacht“, oder "Plumpe Einschüchterungsversuche" waren einige der Themen.
Offenbar ist man in Zara’s Chefetage unwillig, aus Fehlern der Vergangenheit zu lernen und man driftet weiterhin in die komplett falsche Richtung ab.
Dieses Verhalten macht deutlich, dass Vertreter der Belegschaft - wenn es nach dem Wunschdenken der Führungskräfte geht - keinen Platz in der großen und angeblich so intakten ZARA-Familie haben.
Fest steht, dass wir als Betriebsräte uns von diesem überzogenen Abwehrverhalten nicht beeindrucken lassen, und weiterhin unseren eingeschlagenen Weg gehen - denn auch spanische Großkonzerne wie Zara/Inditex haben sich an deutsche Gesetze und Regeln zu halten, auch wenn es aus unternehmerischer Sicht vielleicht manchmal etwas schwer fällt!
Dienstag, 19. Februar 2019
Wer kämpft kann gewinnen!
Für
unsere Kolleg*innen in Indien, Bangladesch und Sri Lanka war der Januar ein
Monat voller Arbeitskämpfe. Teilweise gehen sie immer noch weiter.
Am
8. und 9. Januar streikten über 200 Millionen Arbeiter*innen in Indien gegen die
Politik der gegenwärtigen Regierung von Ministerpräsident Narendra Modi. An den
Streik und Protesten beteiligten sich auch unsere Kolleg*innen der GATWU in
Bangalore und GAFWU in Chennai. Grund für den Streik, zu dem fast alle
Gewerkschaften in Indien aufgerufen haben: die Regierung kürzt bei den ohnehin
spärlichen Sozialversicherungen, schränkt Gewerkschafts- und
Beschäftigtenrechte ein, tut nichts gegen die hohen Preissteigerungen für Dinge
des alltäglichen Bedarfs und schweigt angesichts schlimmer Fälle von sexueller
Belästigung am Arbeitsplatz und in ihren eigenen Reihen. An den Streiks haben
Kolleg*innen teilgenommen, die unter anderem in Bekleidungsfabriken arbeiten,
die für H&M, Zara, Otto und Primark produzieren. Unsere Kolleg*innen
von GAFWU wurden sogar für ihre Teilnahme am Streik vorübergehend in
Polizeigewahrsam genommen!
Etwa
zur gleichen Zeit streikten und protestierten hunderttausende Arbeiter*innen in
Bangladesch für einen höheren Mindestlohn. In der Bekleidungsindustrie in
Bangladesch gelten unterschiedliche Mindestlöhne, je nach Tätigkeit. Die
Regierung reagierte mit Repression, die Polizei setzte Wasserwerfer und
Tränengas ein, um die Protestierenden zu vertreiben. Der Mindestlohn war erst
Ende 2018 nach fünf Jahren erstmals wieder auf 8.000 Taka (ca. 84€) für die
niedrigste Lohngruppe erhöht worden, doch Arbeiter*innen und Gewerkschaften
forderten mindestens das Doppelte für ein Leben in Würde. Deswegen kam es zu
erneuten Protesten. Die Arbeiter*innen und Gewerkschaften konnten einen Erfolg
erringen: der Mindestlohn wurde nach den Protesten nochmals erhöht auch wenn er
immer noch weit von den ursprünglich geforderten 16.000 Taka entfernt liegt. In
manchen Lohngruppen um wenige Cent, in anderen um bis zu fünf Euro pro Monat.
Allerdings
reagieren Regierung und Unternehmerverbände mit Repression auf diesen
Arbeitskampf. Laut unseren Kolleg*innen von der NGWF wurden über 11.000
Arbeiter*innen gekündigt, Hunderte sind noch immer in Polizeigewahrsam, über
3.000 Arbeiter*innen wurden angeklagt. Laut Presseberichten waren diese
Arbeiter*innen unter anderem bei Zulieferern für H&M, Zara, Walmart und
Next beschäftigt. Für die Gewerkschaften in Bangladesch ist klar: Regierung und
Unternehmen versuchen mit allen Mitteln, die Arbeiter*innen zu schlagen - und
den Erfolg und die Erfahrung gemeinsamen solidarischen Handelns vergessen zu
machen. Gewerkschaften in Bangladesch protestieren gegen die Repression und
unterstützen die betroffenen Arbeiter*innen, darunter auch unsere Kolleg*innen
der National Garment Worker Federation. Sie fordern die sofortige
Wiedereinstellung der Kolleg*innen und ein Ende der Repression. Dazu haben sie
einen Kampagne gegen die Politik der Regierung und des Arbeitgeberverbandes
gestartet und planen auch die Einkäuferunternehmen in die Pflicht zu nehmen.
Mit
Repression haben auch unsere Kolleg*innen aus Sri Lanka zu kämpfen. Das
Unternehmen ATG stellt Arbeitshandschuhe u.a. für Logistikunternehmen her und
Mitglieder der Gewerkschaft Free Trade Zones & General Services Employees
Union (FTZ&GSEU) sind dort seit Jahren gewerkschaftlich aktiv. Nun reagiert
die Geschäftsleitung aber mit einer neuen Stufe der Repression gegen fünf
Gewerkschafter*innen der FTZ&GSEU. Das Management hat fünf unserer
Kolleg*innen entlassen. Die fünf KollegInnen machen den Kern der
Betriebsgewerkschaft aus. Der Grund für die Kündigung: weil sie 2015 eine
Blutspendekampagne(!) im Unternehmen gestartet haben, ohne dies mit der
Geschäftsleitung abzusprechen. Die Belegschaft antwortet auf diesen Angriff mit
Streik - solange bis die Kolleg*innen wieder eingestellt sind. Die Handlungen
des Managements von ATG reihen sich ein in eine Reihe von
gewerkschaftsfeindlichen Maßnahmen: die Betriebsgewerkschaft wird trotz 95%
Unterstützung durch die Belegschaft nicht anerkannt und langjährigen
Gewerkschaftsmitgliedern werden zustehende Sonderzahlungen verweigert.
Auch
wenn dies über 6.000 Kilometer entfernt von uns passiert: vieles erkennen wir
wieder. In den kommenden Monaten stehen bei uns Tarifverhandlungen an und die Unternehmer
stellen mal mehr, mal weniger offen den Flächentarifvertrag in Frage. Gemeinsam
mit ver.di kämpfen wir für einen allgemeinverbindlichen Tarifvertrag im
Einzelhandel, damit bei uns gute Arbeitsbedingungen durchgesetzt sind. Auch
Union Busting – also Schikane, Kündigung und Einschüchterung von aktiven
BR-Kolleg*innen und Gewerkschafter*innen gibt es bei uns. Dies nimmt (noch?)
keine Ausmaße an, wie bei unseren Kolleg*innen in Südasien. Das liegt aber
nicht daran, dass wir in Europa sind: Als Kolleg*innen der Gewerkschaft
SI-COBAS aus Italien im vergangenen Jahr auf der
H&M-Betriebsräteversammlung waren, haben sie auch von Inhaftierungen von
Gewerkschafter*innen berichtet – weil sie in Logistikzentren für H&M gute
Arbeitsbedingungen erkämpfen wollten. Wie mit uns umgegangen wird, ist immer
eine Frage, wie stark wir sind und gut wir als Betriebsräte, Beschäftigte und
Gewerkschafter*innen organisiert sind.
Dienstag, 12. Februar 2019
Der Zara Geschäftsführungszirkus in den Berliner Stores geht in die zweite Runde!
Seit der
Bekanntgabe der Schließung im Marmorhaus ist in Berlin einiges passiert. Zu
erwähnen ist mal wieder
das frevelhafte Verhalten der Geschäftsführung im Umgang mit der Belegschaft. Das nur
sechs Kollegen von insgesamt ca. 80 Mitarbeitern eine Stelle in einer
umliegenden Filiale
angeboten wurde, ist bereits bekannt.
Nun ist aber
rausgekommen, dass es 20 weitere Stellenausschreibungen in den umliegenden BR-Filialen
gegeben haben soll, insbesondere in der Filiale im Alexa Einkaufszentrum, der Tauenzienstraße,
sowie in der Filiale in der Mall of Berlin.
Diese Stellen
könnten problemlos für die Mitarbeiter der Schließungsfiliale zur Verfügung
gestellt werden, um
Ihre Weiterbeschäftigung zu ermöglichen.
Das wurde vom Betriebsrat in einer Einigungsstelle zum Sozialplan gerügt, aber die Geschäftsleitung wusste angeblich nichts von den 20 Stellenausschreibungen. Es sei lediglich Papier, ohne Bedeutung heißt es vom Deutschland Personalchef.
Nach dem
Termin gab es die Anweisung von der Geschäftsleitung alle Stellenausschreibungen
in den Filialen sofort abzuhängen, zusätzlich wurden innerhalb von
72 Stunden,
ca. 23 Probezeitkündigungen durch den Personalreferenten in Berlin
ausgesprochen.
Ein
inoffizielles Statement des Personalreferenten lautete wie folgt: „Marmorhaus
hätte
gewonnen und
daher müssen Kündigungen erfolgen“. Die Arbeitgeberin ZARA versteckt sich wie so gern hinter
ihren Betriebsräten, wenn es um die Rechtfertigung von ihren
Schandtaten
geht, statt zu ihrem frevelhaften Verhalten zu stehen. So hieß es vom
Deutschland
Personalchef noch kurz vor Bekanntgabe der Schließung, der Betriebsrat sei
Schuld an
den Unruhen im Marmorhaus.
In den
Berliner Filialen ist seitdem kaum mehr ein Mitarbeiter zu sehen.
Unterbesetzung ist
noch zu
milde ausgedrückt. Die Überlastung der Belegschaften kommt an ihre Grenzen.
Der Schwiegersohn von
Armancio Ortega soll nach Berlin kommen
Der
Schwiegersohn von Armancio Ortega soll nach Berlin kommen und sich die Filiale
im
Alexa sowie
die Filiale in der Tauenzienstraße besichtigen. Das hatte die Geschäftsführung
vermutlich
nicht auf dem Schirm, als Sie die oben genannten Anweisungen gab und für eine
massive
Unterbesetzung sorgten, nur um „so viele Mitarbeiter wie möglich aus dem
Marmorhaus loszuwerden“.
Um dem
Schwiegersohn nicht den Eindruck zu geben, dass in Berlin gerade alles drunter
und drüber geht,
sollen aus ganz Deutschland Unterstützungen in die zwei Stores geschickt
werden.
Was nun
folgt, zeigt sich in den nächsten Tagen….
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