Sonntag, 14. Januar 2018

ZARA Kaufingerstraße - Ein Ende mit Schrecken

Nun ist es soweit. Die Einigungsstelle ist beendet. Die Verhandlungen zum Interessensausgleich und Sozialplan in der ZARA Filiale Kaufingerstr. sind abgeschlossen und alle Formalitäten erledigt. Was bleibt ist ein Scherbenhaufen voll zerstörter Vorstellungen und Hoffnungen fast aller Angestellten in diesem Betrieb. Warum?




Nun, zum einen hängt es damit zusammen, dass die Arbeitgeberseite sich allem widersetzte, was im Ansatz nach "Vorteil für den Angestellten" aussah und zum anderen, weil die Gesetzgebung in Deutschland leider an manchen Stellen Lücken und Grauzonen aufweist, die von Arbeitgebern schamlos ausgenutzt werden, so auch von ZARA.

Um eines sehr deutlich vorweg zu schicken:

Die Arbeitnehmervertretung begrüßt und schätzt es sehr, dass der Arbeitgeber allen Beschäftigten eine "Weiterbeschäftigungsgarantie" ausgesprochen hat!

Allerdings hat diese "Garantie" deutlich an Wert verloren, als die Verhandlungen begonnen haben.



Die Arbeitgeberseite konnte sich plötzlich nicht mehr daran erinnern, dass bei den diversen morgendlichen und abendlichen Mitarbeitertreffen (kurz "Nippon" genannt) gesagt wurde, dass man als Beschäftigter seine "Wunschfiliale", in die man gerne versetzt werden möchte (falls man weiter machen will) angeben kann und soll. Ob dieser Wunsch auch in Erfüllung geht kann man zwar nicht versprechen, aber es wird zumindest zur Kenntnis genommen und versucht zu berücksichtigen.
Tatsächlich gingen daraufhin fast alle Beschäftigten zur zuständigen Personalreferentin und gaben an wohin sie gerne gehen würden, wenn sie denn weiter beschäftigt werden sollten. Alles wurde auch feinsäuberlich in einer Tabelle festgehalten. Doch bei der Verhandlung wollte der Arbeitgeber sich nicht mehr an seine Äußerung erinnern und auch keine, ich wiederhole: KEINE!, Wünsche mehr zu berücksichtigen. Der Arbeitgeber ging sogar soweit zu sagen, dass auch im Falle einer Möglichkeit der Auswahl, der Beschäftigte KEIN Mitspracherecht haben werde. Also NICHTS für den Arbeitnehmer!

Der Hintergrund ist, dass der Arbeitgeber hier befürchtet, dass einige Beschäftigte, deren Wunsch nicht in Erfüllung ging evtl. vor Gericht ziehen könnten und dieses Risiko wollte der Arbeitgeber nicht eingehen.
Dumm nur, dass der Arbeitgeber jetzt eher das Risiko eingeht, dass wesentlich mehr Beschäftigte klagen könnten, weil sie willkürlich in irgendwelche Filialen verteilt werden, nach sogenanntem "billigem Ermessen" des Arbeitgebers (wer es genauer wissen möchte kann hier mal reinlesen: § 315 Abs. 1 BGB).

Ebenso unverständlich war es für die Arbeitnehmervertretung, dass der Arbeitgeber keine Sicherung der Weiterbeschäftigungsgarantie geben wollte. Der Arbeitgeber berief sich, gefühlt 10.000 Mal, darauf, dass sie eine Weiterbeschäftigung allen Beschäftigten der Filiale zugesagt haben und gut ist. Man solle doch bitte zufrieden sein damit und alles andere hier zu verlangen wäre unverschämt und anmaßend. Die Arbeitnehmervertretung wollte z. B. eine verlängerte "Garantie" für die versetzten Kolleginnen und Kollegen, die im Falle einer erneuten betriebsbedingten Kündigung, nach ihrer Versetzung, auf den jetzt abgeschlossenen Sozialplan zurückgreifen können. Diese Klausel ist nicht nur legitim sondern auch üblich in der Branche, das bestätigte sogar der Einigungsstellenvorsitzende, aber die Arbeitgeberseite schaltete, mal wieder, auf stur. Obwohl man zugestand, dass es ohne eine Schließung bislang bei ZARA keine betriebsbedingten Kündigungen gab, es also kein Risiko für den Arbeitgeber darstellen würde, wenn diese Klausel drin wäre, wollte man sich da nicht festlegen. Also auch hier wieder NICHTS für den Arbeitnehmer.




Über die Abfindungen kann man tatsächlich lange hin und her streiten. Kurz gefasst muss man auch hier sagen, dass 90% der Beschäftigten, die gerne eine Abfindung genommen hätten, diese nun NICHT mehr annehmen werden. So zumindest ist unsere Einschätzung. Allerdings muss man hier sagen, dass unter den gegebenen Umständen es schon sehr wichtig ist, dass es der Arbeitnehmervertretung gelungen ist, überhaupt eine Abfindungsregelung mit dem Arbeitgeber zu treffen. Denn rein rechtlich hätte der Arbeitgeber in dieser Situation gar keine Abfindung zahlen müssen. Umso erfreulicher ist es, dass es nun eine Regelung gibt und unter den gegebenen Umständen das Maximum rausgeholt werden konnte. Auch wenn es viele Beschäftigte geben wird, die wesentlich mehr erwartet haben.

Deswegen wird allerdings der Arbeitgeber auch ein Problem bekommen. Denn unserer Vermutung nach, war der Arbeitgeber eher darauf eingestellt, 40 bis 60% der Belegschaft durch Abfindungen "loszuwerden", sodass man weniger Stundenbudgeterhöhungen in den übrigen Filialen investieren muss. Allerdings wird das mit dieser Abfindungshöhe, die ausgemacht wurde sehr fraglich, ob das den arbeitgeberseitigen Wunscheffekt haben wird. Es ist ohnehin noch sehr fraglich wie das Ganze zu bewältigen sein soll, wenn in eine Filiale plötzlich ca. 50% mehr Belegschaft da ist?! Belegschaft für die es keine geeigneten Sozialräume gibt und auch nicht genügend sanitäre Einrichtungen. Fraglich auch, dass diese Überbudgetierung auf lange Sicht gut gehen wird oder ob man nicht doch eine "Schattenplanung" hat/hatte und diese versetzten Mitarbeiter nur in den Filialen "geparkt" werden bis man eine neue Filiale aufmacht. Auch die Vermutung liegt nah, dass andere Filialen, die kleiner sind und/oder ebenfalls nicht mehr in das "Konzept" passen oder sogar wirtschaftliche Aspekte eine Rolle spielen, noch in diesem aber spätestens nächstem Jahr geschlossen werden könnten. Amüsant war es, als man den Arbeitgeber mit dieser Planung konfrontierte und dieser dann tatsächlich so tat, als wisse er nicht, wovon die Gegenseite spricht. Obwohl man doch genau wissen sollte, dass die Bezugsquellen der Gewerkschaft doch sehr weitreichend sind.



Auch die begründete Besorgnis, dass die sogenannten "aufnehmenden" Betriebsräte der anderen Münchner Filialen der Versetzung der Beschäftigten aus der Kaufingerstraße widersprechen könnten, hat der Arbeitgeber als irrelevant abgetan. Auch hier wollte der Arbeitgeber KEINE schriftlichen Zugeständnisse machen. Wiedermal NICHTS für den Arbeitnehmer.


Aber bei allen negativen Aspekten, die hier aufgezählt wurden, sollen die positiven nicht unerwähnt bleiben:

- Beschäftigte in Elternzeit werden ebenfalls jetzt schon in die Planung mit einbezogen und nicht erst wenn sie aus Elternzeit wiederkommen, so wie es der Arbeitgeber wollte

- Fahrtkostendifferenzerstattung im Falle einer Erhöhung durch den neuen Arbeitsplatz

- Eine Art "Probezeit" von 3 Monaten nach der Versetzung, mit der Option doch die Abfindung zu nehmen, wenn man nach 3 Monaten merken sollte, dass man sich nicht mit dem neuen Arbeitsumfeld anfreunden kann

Nun kann die Eine oder der Andere sich denken: "Was? Das ist alles, was als 'positiv' erwähnt wird?" - Ja, leider. Liest sich sehr wenig, ist es auch!

Aber auch hier muss gesagt werden, dass es den Arbeitnehmervertretern sehr schwer gemacht wurde, indem immer und immer wieder betont wurde, dass es eigentlich keinen Grund gäbe sich aufzuregen, denn schließlich wird niemand gekündigt, sondern jeder weiter beschäftigt, der möchte. Genau das aber war es letztlich auch, was diese Verhandlungen so schwierig und so besonders gemacht haben und da der Arbeitgeber sich ja so gern wiederholt, tun wir das an dieser Stelle auch nochmal:

Die Arbeitnehmervertretung begrüßt und schätzt es sehr, dass der Arbeitgeber allen Beschäftigten eine "Weiterbeschäftigungsgarantie" ausgesprochen hat!

Aber die "Qualität" dieser Garantie ist, zumindest in den Augen der Arbeitnehmervertretung, nicht viel Wert. Vor allem wenn man die persönlichen Belange und Ängste der Kolleginnen und Kollegen schlichtweg ignoriert und diese "Weiterbeschäftigungsgarantie" lediglich dafür nutzt, um in der Öffentlichkeit gut auszusehen.

Schlussendlich muss man sagen, dass eine Ära zu Ende geht. Eine der wichtigsten deutschen ZARA Filialen schließt nun ihre Türen. Die Geschichten und Erlebnisse, die hinter diesen Türen stattfanden bleiben aber in den Köpfen und Herzen derer bestehen, die dort gearbeitet und ihren Teil dazu beigetragen haben, dass ZARA Deutschland zu dem geworden ist, was es ist.

Wir möchten uns an dieser Stelle recht herzlich bei der Belegschaft bedanken, die uns als ihren Vertretern, ihr Vertrauen geschenkt haben und hoffen dass die Zukunft aller Kolleginnen und Kollegen in eine, für jeden, positive Richtung geht.


Donnerstag, 11. Januar 2018

Filialschließung - Leopoldstraße vor dem Aus?



Wie wir in der Vergangenheit berichteten, wird die allerserste Münchner ZARA-Filiale in der Kaufingerstraße zum Ende nächsten Februars geschlossen.
Grund hierfür sind nicht die Umsatzzahlen, sondern schlicht und einfach Image - ZARAs Geschäftsleitung findet die Filiale von den baulichen Gegebenheiten nicht mehr zeitgemäß. Man konnte nicht in die Breite gehen, und der Store sei schlichtweg zu klein geworden. Da spielt die bombastische Verkaufslage fast direkt am Marienplatz offenbar auch keine Rolle mehr. Die genauen Details könnt ihr nochmal hier nachlesen.

In unserem aktuellen Beitrag stellen wir uns die Frage

 „Was passiert nun mit der Filiale in der Leopoldstraße?“


ZARA hat enormes Interesse an neuen, riesigen Megastores - dafür werden auch, wenn nötig, kleinere Filialen in der Umgebung geschlossen. So zuletzt geschehen in Köln.
In München halten sich derzeit hartnäckig Gerüchte, dass hier auch ein neuer Megastore entstehen soll. Dann wäre die Filiale in der Leopoldstrraße mit ihrem alten Konzept für ZARA nicht mehr attraktiv. Für die betroffene Belegschaft heißt es jedenfalls aktuell

 „Hoffen, zittern, bangen“!


Anfragen vom zuständigen Betriebsrat zu diesem Thema werden mit Floskeln wie „Derzeit sei keine Schließung geplant“ von Vertretern der Geschäftsleitung abgespeist. Die Vergangenheit hat jedoch gezeigt, dass man auf diese Aussagen nicht Vertrauen kann - bereits bei der Schließung der Kaufingerstr. wurden Belegschaft und Betriebsräte von der Geschäftsleitung nachweislich schlichtweg belogen! Die Filialschließung wurde erst Ende Oktober bekannt gegeben, mit der Aussage, dass alles „ganz kurzristig“ passiert sei. Mehrere Quellen bestätigten jetzt, dass die Geschäftsleitung mindestens seit Mai 2017 hierüber in Kenntnis war.

Leider deutet derzeit alles daraufhin, dass ZARA kein Interesse mehr hat, die Filiale mit der prominenten Lage in der Leopoldstraße weiterhin zu betreiben: Bereits im vergangenen Sommer waren mehrere Architekten vor Ort, um zu prüfen, ob man eine Kinderabteilung in die Filiale mit integrieren könnte. Die baulichen Gegebenheiten machen dieses Vorhaben jedoch nicht möglich.

Der Mietvertrag läuft zum Ende März 2019 aus. Früher wurde dieser schon immer Jahre vor dem Auslaufen seitens ZARA verlängert. Dass dies bis zum heutigen Tage nicht geschehen ist, ist bezeichnend.

Ein weiteres Indiz, dass ZARA kein Interesse mehr an diesem Store hat ist der desaströse Zustand der Filiale:
Das Mobiliar ist veraltet und oftmals defekt. Die Holzlamellen an den Glasfronten im Eingangsbereich sind schon seit Jahren defekt, oder fehlen schlichtweg. Die Möbel in den Kassenbereichen sind im mangelhaften Zustand und werden teilweise notdürftig von Mitarbeitern mit Klebeband „repariert“, damit sie nicht auseinanderfallen!  Getan wird hier seitens ZARA absolut nichts. Auf Nachfrage beim zuständigen Hausmeister heißt es, dass er bei allen anderen Filialen sofort immer Rückmeldung von ZARA bei Reparaturaufträgen bekommt - lediglich bei Anfragen für die Leopoldstraße werden diese von ZARA nie beantwortet.




 Zerbrochenes Glas, gebrochene Spiegel, offene Kabel - Offenbar nimmt ZARA diese Verletzungsgefahren seiner Kunden und Beschäftigten billigend in Kauf...

Wie müssen sich die Kolleginnen und Kollegen dieser Filiale fühlen? Sie wissen nicht, wie lange sie noch zusammen beschäftigt sind, dazu noch die Umstände vor Ort. Sollen wir solch ein rücksichtsloses und unverschämtes Verhalten der Geschäftsleitung unseren Kolleginnen und Kollegen gegenüber noch weiter hinnehmen? Es kann nicht sein, dass hier ohne Rücksicht auf die Mitarbeiter Planungen vorgenommen werden, und die Menschen, die unmittelbar davon betroffen sind, erst als allerletzte davon erfahren!



Das Bündnis der Münchner Betriebsräte hält wie gewohnt zusammen! Sollte es tatsächlich zu einer weiteren Filialschließung in München kommen, wird dies sicher kein Spaziergang für die Geschäftsleitung werden…

Mittwoch, 13. Dezember 2017

Mütter bei ZARA - nein danke! (Teil 2 von 2)



Im --> ersten Teil <-- dieses Themas setzen wir uns mit der Problematik auseinander, der sich junge Kolleginnen mit Kindern bei ZARA stellen müssen. In diesem Teil möchten wir über mögliche Lösungen schreiben.

Wer in München wohnt, und eine Familie gegründet hat, weiß, dass es ein riesiges Problem in München gibt, was KITAs angeht.
Einen Platz in einer Tagesstätte für die Betreuung der Kinder zu bekommen, scheint hier schier unmöglich. Die Wartelisten sind lang. Wenn mann Glück hatte, und doch einen Platz abbekommen hat, gehen die Probleme weiter. Kinderbetreuung ist in Deutschland sehr teuer -  man braucht dementsprechend Geld, um als junge Mutter über die Runden zu kommen.

Um die Lebenshaltungskosten bezahlen zu können, geht man arbeiten. Der Nachwuchs muss jeden Nachmittag von der KITA abgeholt werden - wenn man Arbeitszeiten hat, die dieses zulassen, gut. Wenn nicht, hat man bei ZARA ein großes Problem.
Wie im ersten Teil zum Thema erwähnt, ist es bei ZARA mit vielen Problemen verbunden, die Arbeitszeiten anzupassen. Das heißt, Mütter müssen oft voll flexibel eingeplant werden können.

Die Lösung für die ganze Problematik ist eigentlich simpel. Der ehemalige Gesamtbetriebsratsvorsitzende von ZARA hatte vor langer Zeit vorgeschlagen, eine Art Firmen-KITA zu gründen. Diese Idee wurde bis heute seitens der Geschäftsfleitung nicht umgesetzt. Wieso eigentlich nicht? Alleine in den 6 Münchner ZARA-Filialen würde es genügend Muttis geben, die mit dem Nachwuchs eine komplette KITA füllen. Eine Firmen-KITA schafft Arbeitsplätze, und würde die Kinderbetreuung  mit den Arbeitszeiten der Mütter abstimmen. Eine Win-win Situation für Arbeitgeber und Beschäftigte gleichermaßen. Die Mütter müssten sich keine Sorgen mehr um ihre Arbeitszeiten und Betreuung der Kinder machen, und das würde der kompletten Atmosphäre im Store gut tun - was sich auch auf die Umsätze positiv auswirkt. Desweiteren hätte ZARA so auch die Möglichkeit, sich nun einmal positiv in den Medien präsentieren zu können. Ein nicht ganz unerheblicher Punkt, nach der negativen Präsenz in der Presse diesen Jahres.

Aus welchem Grund wird dieser Vorschlag nicht umgesetzt?
Eine weitere Option hierfür wäre, dass ZARA eine Allianz mit anderen Münchner Einzelhändlern bildet, um eine KITA zu gründen. So könnten sich die Unternehmen die Organisation, Finanzierung und Verantwortung teilen. H&M z.B. dürfte in diesem Bereich ähnliche Probleme wie ZARA haben.

Eine KITA für Mitarbeiter würde junge Familien fördern, und für alle Seiten so vieles erleichtern. Warum dieser Ansatz von ZARA bis jetzt immer noch nicht aufgegriffen wurde, bleibt weiterhin unklar.
Falls Ihr hierzu Ideen und Anregungen habt, meldet euch! Die Hoffnung stirbt bekanntlich zu letzt, und vielleicht bewirken wir zusammen was!

Freitag, 17. November 2017

Geheimakte ZARA Kaufingerstraße - ZARA bespitzelt Gewerkschaftsversammlung

Die ZARA Filiale München Kaufingerstr. soll ihre Tore spätestens am 24.02.2018 schließen. Wir haben darüber berichtet (hier geht’s zum ersten Artikel).

Hierfür müssen einige Verhandlungen zwischen dem Betriebsrat der Filiale und auch dem Arbeitgeber geführt werden. Ein sog. "Interessensausgleich" und ein "Sozialplan" sorgen dafür, dass die Kolleginnen und Kollegen der Filiale fair und leistungsgerecht behandelt werden, nachdem der Arbeitgeber den Laden schließt.

Mal abgesehen davon, dass der Arbeitgeber einen lukrativen und gewinnbringenden Laden in bester Verkaufslage einfach so schließen will, möchte er auch noch keine vernünftigen Verhandlungen mit dem Betriebsrat der Filiale führen.

Nochmal zur Erinnerung:


Betriebsverfassungsgesetz
§ 111 Betriebsänderungen

In Unternehmen mit in der Regel mehr als zwanzig wahlberechtigten Arbeitnehmern hat der Unternehmer den Betriebsrat über geplante Betriebsänderungen, die wesentliche Nachteile für die Belegschaft oder erhebliche Teile der Belegschaft zur Folge haben können, rechtzeitig und umfassend zu unterrichten und die geplanten Betriebsänderungen mit dem Betriebsrat zu beraten


Genau das Gegenteil ist der Fall. ZARA hat weder rechtzeitig noch umfassend den BR während der Planungsphase unterrichtet. Sogar Vorverhandlungen wollte ZARA nicht führen und ging einseitig davon aus, dass der BR sowieso nicht bereit zu Verhandlungen ist und beschloss einseitig eine Einigungsstelle einzurichten. Damit nicht genug, ZARA hat auch vorsorglich (und wiederum einseitig) entschieden, die von Arbeitgeberseite vorgeschlagenen Einigungsstellenrichter durch das Arbeitsgericht einsetzen zu lassen.

Die Krönung des Ganzen ist aber, dass der Arbeitgeber den Betriebsrat sogar bezichtigt, dass dieser die Verhandlungen "künstlich in die Länge ziehen will" und dafür hat er sogar "Spitzel" beauftragt, dies herauszufinden und auch zu bestätigen. Zur Not auch wenn es nicht so ganz der Wahrheit entspricht. Am 26.10.17, also 9 Tage nachdem der Arbeitgeber die Schließung offiziell verkündet hat, einen Infoabend für Gewerkschaftsmitglieder aller ZARA Filialen in München anberaumt. Gekommen sind einige Kolleginnen und Kollegen aus allen Filialen. Bei dieser Veranstaltung waren auch Angestellte von ZARA, die nicht Gewerkschaftsmitglied waren/sind. Was im Grunde nicht so schlimm wäre, wenn man nicht nur wegen einem Zweck dorthin gekommen war: Spionage für den AG!

Zwei Angestellte, nennen wir sie mal Frau Cindy H. aus der Filiale in der Theatinerstr. und Herr Sebastian G. aus der Filiale in der Kaufingerstr., kamen wohl nur aus diesem Zweck dorthin. Ganz offiziell haben sie sich alles schön notiert und mitgehört, was die Gewerkschaft und die anwesenden Kolleginnen und Kollegen von sich gaben. Diese Informationen gaben sie dann an den Arbeitgeber weiter und dieser hörte unter anderem, dass gesagt worden sei, dass der Betriebsrat der Filiale Kaufingerstr. mit der Gewerkschaft die Verhandlungen absichtlich in die Länge ziehen möchte. Von 7 bis 8 Monate soll die Rede gewesen sein, die angeblich verzögert werden soll. Das hat der Arbeitgeber zum Anlass genommen beim Arbeitsgericht die Einsetzung einer sofortigen Einigungsstelle beantragt. Ohne Vorverhandlung und ohne jeglichen Informationsaustausch vorab, will jetzt der Arbeitgeber unverzüglich die Schließung voran treiben.



Zwar wurde bei der Versammlung gesagt, dass es unwichtig ist, ob die Infos von der Versammlung herausgehen an den Arbeitgeber, aber dann sollten sie zumindest der Wahrheit entsprechen und nicht aus dem Zusammenhang gerissen und Falsch wiedergegeben werden. Hätten also die besagten Personen mal besser zugehört, dann hätten sie das Ganze nicht falsch verstanden, sondern so wie es gesagt und auch gemeint war. Der Gewerkschaftssekretär hat, im Zuge der Erklärung was ein "Interessensausgleich" und ein "Sozialplan" ist, die Möglichkeiten und Vorgaben, die damit einhergehen erläutert. Dabei wurde auch gesagt, dass es, käme es zu Uneinigkeiten zwischen dem Arbeitgeber und dem Betriebsrat, durchaus passieren kann, dass sich die Verhandlungen hinauszögern. Denn schließlich muss alles besprochen werden und unter Umständen auch vor Gericht geklärt werden. Da sich aber der Arbeitgeber selbst die Monate November und Dezember für Verhandlungen ausgesucht hat und das Arbeitsgericht in München ebenfalls über diese Monate ihre Urlaubszeiten hat und es schwer ist Termine festzulegen, können Verzögerungen vorkommen. Während des Infoabends hat im Übrigen kein BR der Kaufingerstr. mit irgendeinem Ton bestätigt, dass dies auch der "Plan" vom BR wäre.

Also stellt man sich schon die Frage: Woher nimmt sich der Arbeitgeber eigentlich die Frechheit heraus so eine miese Tour zu fahren und dann auch noch zu erwarten, dass es eine vertrauensvolle und konstruktive Zusammenarbeit geben soll?

Im Übrigen haben die besagten zwei "Spitzel" sich ihre Dienste auch gut belohnen lassen. Von Herrn Sebastian G. ist bekannt, dass dieser "zufällig" ab Montag (14.11.17) für vier Wochen in eine andere Filiale in München als "Unterstützung" versetzt wurde. Just ein Tag nachdem dem BR bekannt wurde, dass ZARA das Arbeitsgericht beauftragt hat die Einigungsstelle einzurichten, aufgrund der Aussagen dieser beiden "Spitzel". Inoffiziell wurde dem BR aus sicherer Quelle berichtet, dass Herr Sebastian G. sehr bald ein "Training zur Abteilungsleitung" beginnen wird. Besser so, denn die Folgen in seiner eigenen Filiale als Verräter abgestempelt zu werden dürften nach dieser Aktion sehr hoch sein - sehr hoch!



Bei Frau Cindy H. ist die Lage ebenso eindeutig. Am 26.10. war die Gewerkschaftsversammlung. Am 28.10. schickte der Arbeitgeber dem BR der Kaufingerstr., die Ursprungsfiliale von Frau Cindy H., eine Anhörung zur unbefristeten Versetzung in die ZARA Filiale Theatinerstraße. In diese war Frau Cindy H. vorerst befristet versetzt worden. Also auch hier eine "fürstliche Belohnung" für die Spionagedienste einer "loyalen" Abteilungsleitung. Fragt sich nur wie vertrauensvoll Frau Cindy H. nun in der ZARA Filiale Theatinerstr. mit den Kolleginnen und Kollegen und vor allem dem dortigen Betriebsrat zusammen arbeiten möchte.




JEDER LIEBT DEN VERRAT, NIEMAND LIEBT DEN VERRÄTER!!!

Es bleibt nur noch zu betonen, dass der BR nichts rechtswidriges getan hat bzw. alles dafür tun wollte, die Verhandlungen sauber über die Bühne zu bringen. Schon allein wegen der Kolleginnen und Kollegen, die eine vernünftige Sozialplanung verdient haben. Auf jeden Fall geht der BR der Filiale mit dem ernsthaften Willen zur Kommunikations- bzw. Verhandlungsbereitschaft an die Sache heran. Auch wenn der Arbeitgeber versucht das mit allen Mitteln zu verhindern. Das Vertrauen seitens Betriebsräte gegenüber dem Arbeitgeber war vorher schon recht angespannt. Nach dieser sehr zweifelhaften Aktion ist sie jedoch stark angeknackst.


WIR GEBEN JEDENFALLS NACHWIEVOR NICHT AUF!!!







Sonntag, 29. Oktober 2017

ZARA Kaufingerstraße sagt Servus und Tschüss! - Oder doch nicht?

Nehmen wir an, da sitzt jemand in seinem großen hellen und gemütlichen Büro und leitet ein Unternehmen mit gut bis sehr gut laufenden Betrieben.

Eines dieser Betriebe macht ca. 12 - 15 Mio. Euro Umsatz und ca. 5 - 8 Mio Euro Gewinn im Jahr! Damit nicht genug, das Geschäft ist auch eines der renommiertesten Betriebe des Unternehmens (ein sog. "Flagshipstore" oder auch "Top-Store"), weil es das erste Geschäft am Ort war.


(c) John Takai - fotolia.de


Hinzu kommt noch, dass dieser Betrieb in einer der besten und beliebtesten Einkaufsstraßen Europas liegt. Was dazu führte, dass dieser Betrieb vom Umsatz und vom Gewinn her stets in den internen Rankings auf Platz 1 bis 3 und ab 2012 zwischen Platz 1 und 5 in Deutschland lag/liegt. In unmittelbarer Nähe dieses Betriebs (jeweils ca. 500 bis 800 Meter entfernt stehen zwei weitere Betriebe des Unternehmens - einmal westlich und einmal östlich. Was im Übrigen auch dazu führte, dass der besagte Betrieb Umsatzeinbußen (und auch Gewinneinbußen) einfuhr. Aber das erwähnt der Unternehmer natürlich nicht laut, denn dann könnte man ja sagen, dass er sein eigenes Geschäft kaputt mache. Stattdessen schiebt er die Schuld lieber auf andere. Wie z. B. auf die Kunden. Denn die bleiben aus, oder die Mitarbeiter arbeiten nicht ordentlich und schnell genug und überhaupt die Gewerkschaft ist auch an allem Schuld mit ihren ständigen Streiks und extremen Lohnerhöhungen (hierbei der besondere Dank an die Tarifkommission von Baden-Würtemberg dieses Jahr - Bärendienst, danke!)...usw.




Nehmen wir weiter an dieser Unternehmer wacht eines Morgens auf und schaut auf seine Bilanzen und denkt sich: '...es wäre doch toll, wenn ich es schaffen könnte dieses, doch recht alte und meinem IMAGE nicht mehr entsprechende, Geschäft so schnell wie möglich los zu werden. Dann schließe ich noch ein oder zwei weitere kleinere Betriebe um dem Trend weiter zu folgen um schließlich einen MEGASTORE zu eröffnen. Ist ja schließlich meine UNTERNEHMERISCHE FREIHEIT'.

Unter anderem auch bevor die Mietpreise so sehr sinken, dass sich das gar nicht mehr rentiert. Egal ob der Mietvertrag noch fast 10 Jahre gültig ist, egal ob dadurch Millionen Euro verloren gehen, egal ob man einen der prestigeträchtigsten Plätze in der Stadt abgeben muss und egal ob dabei die geregelten Arbeits- und Lebensabläufe der Beschäftigten durcheinander gebracht werden. Hauptsache das Ganze geht ruhig und sauber über die Bühne.




Aber dann fällt dem Unternehmer ein, dass er ja einen nervigen Betriebsrat in diesem Betrieb und auch in den anderen Betrieben sitzen hat. Nun, dann muss eben etwas geschickter an die Sache rangegangen werden. Zunächst einmal missachtet er das Betriebsverfassungsgesetz (oder interpretiert er es ein wenig anders) und informiert die Betriebsräte zeitgleich mit den Beschäftigten, obwohl sie eigentlich viel früher, nämlich während der Planung schon, mit ein bezogen hätten werden müssen. Wie gut, dass der Unternehmer schon einen Nachmieter gefunden hat, denn nun kann er noch mehr Druck aufbauen indem er auch noch die Zeit für sich sprechen lässt. Er gibt der ganzen Schließungsphase gerade mal 5 Monate. Wird schon hoffentlich keiner drauf kommen, dass alle seine Schließungen vorher mindestens 6 bis 12 Monate (und länger) gedauert haben. Falls er gefragt wird, ob er denn einen konkreten Plan habe sagt er einfach, dass das alles so schnell ging und er selber total überrascht war. Er muss nur den Betriebsräten Druck machen, sie zuschütten mit Terminen und sie bei der Belegschaft schlecht reden lassen, damit sie unter so großem Druck stehen, dass sie so schnell wie möglich handeln. Er muss es auch auszunutzen, dass die meisten von denen keine Ahnung haben wie so ein Sozialplan geht, aber leider wird er ihnen wohl oder übel ein Seminar gewähren müssen. Ach, egal, er hat ja Gott sei Dank gute Anwälte, die das für ihn so drehen und wenden, wie er es haben will. Schließlich ist er Unternehmer und hat die UNTERNEHMERISCHE FREIHEIT!

Aber er muss dem Betriebsrat schon ein wenig entgegen kommen, sonst gehen sie womöglich wieder vor die Presse oder zu RTL und laufen mit Masken rum und machen solche albernen und peinlichen Aktionen, die ihm nur negative Schlagzeilen bringen. Vielleicht gehen sie sogar so weit wieder einen sarkastischen und bösen Text in ihrem komischen "Blog" zu schreiben.

Er wird im Gegensatz zu den vorherigen Schließungen jetzt einfach mal behaupten, dass er ALLE BESCHÄFTIGTEN, die zum Stichtag noch in dem Betrieb sind, in die umliegenden Filialen verteilen wird, wenn diese das möchten. Das beschränkt er sogar nicht nur auf die unbefristeten, sondern auch die befristet Beschäftigten. Er kann die Verträge so oder so auslaufen lassen. Sowohl bei denen befristet Beschäftigten, die er mitnimmt, als auch in den Filialen, in die er die Leute verteilen möchte. Er muss allerdings damit so schnell wie möglich anfangen, damit er nicht zu sehr die Stundenbudgets erhöhen muss. Er hat ja so loyale Personalreferentinnen. Die wird er einfach damit beauftragen und wenn ihn später jemand fragt, sagt er einfach, dass es ihre Idee war die befristeten Verträge schon jetzt auslaufen zu lassen. Er darf auf keinen Fall die Schuld an irgend etwas tragen, denn er will ja bis nächstes Jahr der "BESTE ARBEITGEBER DA WO GIBT" werden und dafür kämpft er mit allen Mitteln. Er kann nur hoffen, dass da keiner den Widerspruch sieht, dass er auf der einen Seite nicht nur auf Millionen Euro verzichtet und auf der anderen Seite auch noch die Belastung auf die bestehenden Filialen erhöht, indem er ihre Personalkosten in die Höhe treibt. Schließlich ist das später auch ein Grund dafür, dass er in den Filialen das Personal locker wieder abbauen kann. Aber wer soll das schon aufhalten? Erstens gibt es keinen Aufsichtsrat in seinem Unternehmen und zweitens ist es seine UNTERNEHMERISCHE FREIHEIT! Was dabei die Betriebsräte der sog. "aufnehmenden" Filialen davon halten interessiert eher nicht. Wenn die sich weigern werden sie so oder so die Schuldigen sein.



Auch wenn er gefragt werden sollte warum eigentlich geschlossen wird, darf er nicht sagen, dass es um Geld geht. Das würde eh keiner glauben. Nein, er sagt einfach, dass der Laden zu alt ist und dass es nicht mehr dem IMAGE entspricht, welches er sich so in seinem Unternehmen vorstellt. Das ist taktisch total gut, denn das ist sowieso seine UNTERNEHMERISCHE FREIHEIT seinen Laden platt zu machen wann er will. Er behauptet dann noch, weil er ja nicht alleine Schuld sein darf, dass die KUNDEN ES SO WOLLEN. Die Kunden sind es, die ihre Ansprüche so hoch geschraubt haben. Diese Aussage ist aber ein wenig riskant, denn er könnte ja gefragt werden woher er das eigentlich weiß. Aber egal, er behauptet dann einfach wieder, dass er da so seine Erfahrungswerte hat und auch im Vergleich zu seinen anderen Betrieben dieser Betrieb einfach nur noch ein schlechtes Licht auf sein Unternehmen wirft.

So, und jetzt muss er nur noch oft genug sowohl den Betriebsräten, den Beschäftigten, der Gewerkschaft als auch der Presse gegenüber immer und immer wieder betonen, dass er hier ein NOVUM schafft indem er eine GARANTIERTE WEITERBESCHÄFTIGUNG anbietet. Auf alle anderen Fragen wird er einfach eine pauschale wischiwaschi Antwort geben damit alle Ruhe geben. Kann sowieso keiner was Beweisen, denn auch wenn er schriftlich das Ganze zusagt, ein Vertrag ist es eh nicht. Dann kann man ihn auch auf nix festnageln. Am Ende wird das schon gut gehen und alle werden ihn ganz ganz toll finden!

Hauptsache keiner pfuscht ihm ins Werk, denn er ist schließlich Unternehmer und hat seine UNTERNEHMERISCHE FREIHEIT zu verteidigen!




Herrlich! Deutschland ist ein tolles Land für Unternehmer wie ihn. Er kann tun und lassen, was er will. Er kann einen Laden aufmachen und wieder zumachen. Schei... auf die Gesetze, schei.... auf die Mitarbeiter und schei.... auf die Gewerkschaften. Sogar die Arbeitsgerichte und Einigungsstellenvorsitzenden sehen das so und das ist doch einfach nur noch genial!


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Wenn man das alles hört, könnte man sich schon die
Frage stellen: Wieso tut keiner etwas dagegen?


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Antwort: Abwarten!
Der Kampf hat gerade erst begonnen!!!




Montag, 16. Oktober 2017

Schwarzer Freitag in München - Betriebsräte solidarisieren sich mit H&M-Kollegen!


Für den vergangenen Freitag, den 13.10.17 rief die „Aktion Arbeitsunrecht“ zum Aktionstag gegen H&M auf. Es fanden bundesweit in vielen Städten die unterschiedlichsten Aktionen statt.

H&M wurde unter anderem Ziel der Aktion durch systematisches Union Busting, willkürliche Kündigungen gegen Gewerkschafter und Betriebsratsmitglieder, sowie Kettenbefristungen, unfreiwillige Teilzeitverträge und Flex-Verträge.

Alle Details können auf der Homepage von "Aktion Arbeitsunrecht“ nachgelesen werden.

Spätestens seit der letzten heißen Streikphase ist klar, dass die Münchner Betriebsräte und H&M-Kollegen zusammenhalten, wenn es darum geht, dem Arbeitgeber die Stirn zu bieten.
Das Bündnis der Münchner Betriebsräte hat sich an Aktionen im Rahmen des „Schwarzen Freitags“ beteiligt und bekam hierfür Hilfe „von ganz oben“ ;) Es wurden flächendeckend Post-Its mit Forderungen in den Münchner H&M Filialen platziert, und dieses in einem kurzen Film dokumentiert. 


Wir wünschen viel Spaß beim Anschauen!