Donnerstag, 13. Juli 2017

Streikphase 5 - Welcome to Munich!

Jetzt werden einige fragen: "Häää? Beim letzten Text stand noch "Teil 3" wo ist denn "Teil 4?" Nun, der ist quasi die "Vorspeise" gewesen.

Vom 08.07. (SA) bis 10.07.17 (MO) rief ver.di zum spontanen Wochenend-Streik auf. Dieser Streik war sozusagen Streikaktion Nummer 4! Es war ein verhältnismäßig ruhiger Streik. Ruhig, weil ver.di Verantwortliche mit ZARA Verantwortlichen noch in der letzten Woche ein Gespräch hatten, um einige brennende Dinge zu besprechen und einen Plan auszuarbeiten. Bei dem Gespräch ging es vornehmlich darum wichtige Dinge wie Leiharbeit, Werkvertrag, Aufhebungsverträge, Verfügbarkeiten, Arbeitssicherheit und RTL.

Jedenfalls wurde seitens Gewerkschaftsvertretung eine Frist zur Antwort und einer schriftlichen Stellungnahme bis Dienstag 11.07.17 mittags gewährt. Die Antwort kam telefonisch in dem man um Aufschub bat und ein weiteres Treffen verlangte. Soweit der Stand der Dinge.

Nochmal zur Erinnerung: Es wird nicht gestreikt, weil ZARA so "böse" ist, sondern weil der Arbeitgeberverband ein, nur minimal höheres, Angebot gemacht hat, welches kaum der Rede wert und schon gar nicht ernst zu nehmen ist. Daher rief ver.di ab MI 12.07.17 bis 16.07.17 zum Streik auf. Das ist der "Hauptgang", quasi Teil 5!





Nach einer Versammlung im Gewerkschaftshaus, ging es wieder Richtung Innenstadt zu den bekannten Adressen: ZARA Filiale Neuhauser Str., H&M Filiale Ecke Kaufingerstr. und Liebfrauenstr., ZARA Kaufingerstr., Massimo Dutti Filiale Theatinerstr. und zum Schluss ZARA Filiale Theatinerstraße. Sehr lautstark und sehr bestimmt präsentierten sich die Kolleginnen und Kollegen von den ZARA, H&M und zum ersten Mal, Massimo Dutti Filialen. Die Stimmung war zwar angespannt aber auch ausgelassen. Es hielt sich die Balance. Allen ZARA Kolleginnen und Kollegen war stets klar, und das kam auch in den Parolen zum Ausdruck, worum es ging:






Zum Schluss hatten es die Streikenden wiedermal mit der Polizei zu tun, welche von den verantwortlichen Damen und Herren von der ZARA Filiale Theatinerstr. freundlicherweise zur Hilfe gerufen wurden. Man war einfach nicht mehr gewillt den Kunden einen erschwerten Zugang zur und Ausgang aus der Filiale zu ermöglichen. Daher musste mit der Staatsschutzhilfe dafür gesorgt werden, dass eine Gasse für potenzielle Kunden frei bleibt.





*Sarkasmus-Modus-an* - Hier nochmal ein besonders großer Applaus für den engagierten Einsatz der zuständigen Personalreferentin der Region Süd, für ihren starken und couragierten Einsatz gegen das pöbelnde Streikproletariat vor der Filiale. - *Sarkasmus-Modus-aus*

Als die streikenden Kolleginnen und Kollegen nochmal lautstark ihren Unmut zum Ausdruck gebracht hatten, gingen alle mit einem guten Gefühl nach Hause.


Bis zum nächsten Mal.

Freitag, 7. Juli 2017

Die neue Führung bei ZARA



In der Vergangenheit berichteten wir schon des Öfteren über das Verhalten mancher Führungskräfte unseren Kollegen gegenüber. Dieser Trend setzt sich weiterhin fort, und verschärft sich leider.
Wo früher bei Managern noch fachliche Qualifikation und emotionale Intelligenz erwünscht waren, zählt heute offenbar nur noch das System der Einschüchterung und „Ellenbogen einsetzen“.
Ein Bericht über Fälle aus einer Münchner Filiale.

Vor einigen Wochen ging es einer Kassiererin während der Arbeit gesundheitlich nicht gut, und sie sagte, dass sie nach Hause gehen möchte. Anstatt sie gehen zu lassen, sollte sie mit zwei Managern in einen Flur gehen, wo diese auf sie einredeten. Sie solle doch dann anstatt zu kassieren, wenigstens auf der Verkaufsfläche mithelfen, und nicht unfair ihren Kollegen gegenüber sein. Sie wurde massiv unter Druck gesetzt, und musste sich einige Respektlosigkeiten gefallen lassen. Die Kollegin fing daraufhin an zu zittern - es folgten Sätze wie „Zittern kann ich auch.“. Als die Kollegin im Verlauf des „Gesprächs“ schließlich weinen musste, konnte sie endlich nach Hause gehen. Ist das die neue Generation von Managern, wie sie sich ZARA vorstellt? Als Führungskraft hat man eine Fürsorgepflicht seinen Mitarbeitern gegenüber, aber scheinbar sind gute Umsatzzahlen mittlerweile alles, worauf ZARA noch Wert legt.. Menschlichkeit nein danke?!

Es geht weiter…
In dieser Filiale wurden den Kollegen in den Nippons (ein Meeting für alle Mitarbeiter) von der Filialleitung falsche Informationen weitergegeben. Es wird sich über geltende Betriebsvereinbarungen hinweggesetzt und persönliche Wünsche als Arbeitsanweisungen geäußert. Plump werden Verbote erfunden und Nachweise eingefordert, wo keine nötig sind. Noch einmal zur Erinnerung: Betriebsvereinbarungen wurden von den Betriebsräten mit der Geschäftsleitung zusammen verhandelt, und sind geltendes Recht! Sie können NUR von einer der beiden Seiten gekündigt werden, nicht aber von einzelnen Führungskräften, nur weil es ihnen schlichtweg nicht passt!
Als ein Mitglied des Betriebsrats die dementsprechenden Betriebsvereinbarungen vorlegte, bestand seitens der Filialleitung kein Interesse, diese anzunehmen, was den Verdacht erhärtet, dass hier ganz bewusst Falschinformationen weitergegeben werden sollen.
Der Betriebsrat klärt die Mitarbeiter über diesen Sachverhalt auf, weil viele Kollegen durch die Äußerungen der Manager verunsichert sind.

Es werden „neue“ Mitarbeiter gefragt, ob sie am nächsten Tag länger arbeiten könnten. Wenn sie dies verneinen, werden sie direkt gefragt, wie lange sie denn eigentlich schon für ZARA arbeiten. Bewusst wird hier bei Kollegen mit befristeten Verträgen die Angst geschürt, nicht übernommen zu werden.
Wie kaltschnäuzig und berechnend muss man heutzutage eigentlich als Führungskraft bei ZARA sein?

Dass so etwas überhaupt passiert, ist an Dreistigkeit kaum noch zu überbieten, denkt ihr? Doch.

Als ein Betriebsratsmitglied während seines Urlaubs für einige Minuten im Büro war, um seiner Betriebsratsarbeit nachzugehen, wurde er von der gleichen Managerin gefragt, warum er nicht auf der Fläche arbeiten würde. Als dieser antwortete, dass er Urlaub habe, hieß es, dass er das Büro sofort zu verlassen hätte. Der Kollege weigerte sich, dauraufhin wurde angedroht, ihn durch die Sicherheitsfirma aus dem Gebäude zu entfernen.
Auch hier wird gegen geltendes Recht verstoßen. Das Amt des Betriebsrats ist ein Ehrenamt, und wenn man sich nicht einstempelt, also in seiner Freizeit anwesend ist, kann man selbstverständlich auch während des Urlaubs hierfür im Büro tätig sein. Es handelt sich hierbei um Behinderung der Betriebsratsarbeit und ist strafbar.

Diese Vorfälle machen deutlich, dass ZARA zur Zeit einen harten Kurs fährt, was Personalführung angeht, wenn man denn hier noch von Führung sprechen kann. Es herrschen Angst und Verunsicherung bei den Kollegen, sie werden eingeschüchtert, und nicht ernstgenommen. Fragt sich, wer hier am Ende der Gewinner sein soll?
Ich befürchte Fortsetzung folgt…

Freitag, 30. Juni 2017

Streikaktion Nummer Drei - Wir machen weiter!

Zünftig war es diesmal. Es war bayrisch und es war lecker.

Treffpunkt der Streikenden zur dritten Streikrunde war das berühmte Hofbräuhaus in München. Im "Wappensaal" traf man sich am Morgen zum zünftig bayrischen Frühstück mit Weißwurst und O'batzda. Ok, das Weißbier bzw. das Helle musste außen vor bleiben, denn schließlich hatten wir noch einiges vor heute.



Nachdem wir uns alle gestärkt hatten und nach einer kleinen Einweisung was wir genau machen werden, gingen wir los. In zwei Gruppen diesmal, marschierte die eine Richtung ZARA Filiale Theatinerstraße und die andere Gruppe zur ZARA Filiale Kaufingerstraße.



Vor der ZARA Filiale Theatinerstr. haben die Streikenden sich wieder lautstark bemerkbar gemacht. Sie wurden empfangen von verdutzten Kunden sowie vorbereiteten Managern der Filiale. Auch die Personalreferentin für die Region Süd sowie einige Regionalleitungen waren vor Ort. Begeisterung sieht anders aus, aber das hielt die protestierenden Kolleginnen und Kollegen nicht davon den Lautstärkeregler immer höher zu drehen und sich ordentlich Gehör zu verschaffen. Trotz zahlreicher Aufrufe, dass die Personalreferentin und die Regionalleitungen heraus kommen sollen, weigerten sich diese vehement. Schade eigentlich, da hätte man ein wenig Größe und Coolness zeigen können. Doch anscheinend war unsere Erwartungshaltung zu hoch.

Ortswechsel: Kaufingerstraße.

Hier postierten wir uns wieder in Spalier um den Eingang und durch lautstarke Protestrufe wurden auch hier die hereingehenden und herauskommenden Kunden begrüßt. Verstärkt durch ein Megaphone hallte es durch die Kaufingerstraße:

"Gute Arbeit! Gutes Geld"

und

"Heute ist kein Arbeitstag! Heute ist Streiktag!"

und

"Wir sind hier, wir sind laut,
weil man uns die Kollegen klaut!"




Bei all' dem Spaß, den alle Beteiligten auch haben mögen, hat KEINER vergessen oder verdrängt worum es uns allen eigentlich geht.

Nachwievor will der Arbeitgeberverband uns mit lächerlichen und unsinnigen 2,5% Lohn- und Gehaltssteigerung, über eine Laufzeit von 2 Jahren (!) verteilt, abspeisen. Hinzu kommen noch die beharrlichen und hartnäckigen Verweigerungen zu vernünftigen Gesprächen über die Azubis und sinnvollen Eingruppierungen. Somit sehen nicht nur die Gewerkschaft, sondern auch wir, keinerlei Möglichkeit, als weiterhin ein Zeichen zu setzen gegen diese Verhandlungspolitik.

Desweiteren protestieren wir auch gegen die Unternehmens- und insbesondere Personalpolitik von ZARA und H&M. Auch wenn die Arbeitgeber es zu leugnen versuchen und die Situation herunterspielen, es ist und bleibt eine Frechheit, wie die Mitarbeiter in den Stores beider Unternehmen behandelt werden. Immernoch werden keine vernünftigen Schichtpläne geschrieben. Immernoch werden bestimmte Personengruppen bevorzugt behandelt und Mütter und Beschäftigte, die es dringend nötig hätten zu bestimmten Schichten zu arbeiten, werden als "Risikogruppen" bezeichnet. Keine Einsicht in Sicht!






Nachdem wir uns vor ZARA lange genug bemerkbar gemacht haben, zogen wir weiter zur altbekannten H&M Filiale zwei Häuser weiter, wo erneut der Filiale und den Kunden im Geschäft ein kleiner Besuch abgestattet wurde. Anschließend zogen wir weiter zur Filiale ZARA Neuhauserstraße. Dort erwarteten uns schon die Kolleginnen und Kollegen, die eben noch an der ZARA Filiale Theatinerstr. waren. Es war eine ausgelassene Stimmung und auch hier machten wir unserem Ärger durch lautstarke Parolen Luft.





In der ganzen Zeit des Streiks vor den jeweiligen Filialen wurden diesmal Kundeninfoblätter verteilt, die auf die momentane Situation in den Tarifverhandlungen und in den jeweiligen Unternehmen (ZARA und H&M) hinweisen und zu erläutern versuchen. Interessante Gespräche, die sich mit den Passanten entwickelten konnten wir erleben. Man kann aber ohne zu übertreiben sagen, dass 90% der Passanten volles Verständnis für uns und unsere Forderungen hatten. Wenn wir also davon sprechen, was können eine Handvoll "Spinner" schon ausrichten, die in einem so großen Unternehmen arbeiten? Hier der Beweis! Die Mehrheit der Bevölkerung ist auf unserer Seite, wenn man sie nur auf die Misere und Verhältnisse aufmerksam macht.



Hier nochmal der Dank an die RTL Redaktion von EXTRA - Das Magazin, die es in die mediale Fernsehwelt ausstrahlten, was bei ZARA derzeit los ist. Auch hier sei schon mal bemerkt, dass da das letzte Wort noch nicht gesprochen worden ist!




Danke auch an ALLE Kolleginnen und Kollegen von ZARA, Massimo Dutti, H&M und ESPRIT, die so engagieren und motiviert sich gegen die Ungerechtigkeit ankämpfen und sich nicht unterkriegen lassen!

MACHT WEITER SO!!!

DENN WER NICHTS TUT, HAT SCHON VERLOREN!

Wir halten Euch auf jeden Fall auf dem Laufenden.

In diesem Sinne:



Auf zur nächsten Runde!!!


Dienstag, 20. Juni 2017

Mütter bei ZARA - nein danke! (Teil 1 von 2)


Wer schonmal bei ZARA einkaufen war, wird mir zustimmen, wenn ich behaupte, dass die Belegschaft größtenteils aus jungen Frauen besteht. Sie arbeiten gerne für ZARA und sind oft jahrelang dem Unternehmen treu.
Es liegt in der Natur des Menschen, dass man irgendwann den Punkt erreicht, wo man Kinder möchte und eine Familie gründet. So kommt es bei ZARA auch vor, dass eine Kollegin schwanger wird. Wenn diese Mitarbeiterinnen zurück aus dem Mutterschutz kommen, stehen sie oftmals vor großen Schwierigkeiten.

Das Kind muss in die KITA, und danach wieder abgeholt werden. Wenn man es zusammen mit dem Partner hinbekommt, gut. Was ist aber, wenn man Alleinerziehend ist, oder der Partner nicht bei der Betreuung des Nachwuchses helfen kann?
Bei ZARA gab es bisher Verfügbarkeiten. Das heißt, dass die Mütter bestimmte Arbeitszeiten, wie z.B. Frühschichten verhandeln konnten, was das Arbeiten und die Betreuung des Kindes zusammen überhaupt erst ermöglichte. Dieses Verfahren funktionierte jahrelang größtenteils gut, wenn man sich mit ZARA auf bestimmte Schichten einigen konnte. Diese Zeiten sind seit Mai leider vorbei - ZARA hat sich dazu entschieden, Verfügbarkeiten komplett abzuschaffen!
Das bedeutet erstmal für alle Mütter im Unternehmen voll flexibel sein zu müssen. Punkt. Ist das soziale Verantwortung seinen langjährigen Mitarbeitern gegenüber? Es geht hier um Kolleginnen, die teilweise über 10 Jahre für das Unternehmen arbeiten, und durchweg nur positiv aufgefallen sind!

Die Gespräche mit den ZARA-Muttis finden bereits in den Filialen statt. Ihnen werden meist drei Optionen vorgeschlagen. Die ersten beiden Möglichkeiten sind, dass sie sich runterstufen lassen, also weniger Stunden arbeiten, und man ihnen dafür etwas mit den Schichten entgegenkommt. Bedeutet im Klartext weniger Geld am Ende des Monats, was sich die meisten finanziell schlichtweg nicht leisten können.
Die dritte „Option“, wie es Manager nennen, ist der Vorschlag, man könnte ja auch das Unternehmen verlassen, und seine Abfindung bekommen. Geht man so mit Menschen um, die jahrelang dem Unternehmen treu waren und eine junge Familie gründen? Wo bleibt die Menschlichkeit?

Die Idee mit der Abschaffung der Verfügbarkeiten stammt laut Aussage der Manager von der Geschäftsleitung, und sie müssten sich diesem Umstand beugen. Kann es sein, dass so etwas im Jahr 2017 in Deutschland hingenommen wird?
Das Mütter auch mal nicht arbeiten können, weil sie sich um ihr krankes Kind kümmern müssen, ist auch klar.
Der Staat stellt Eltern mit Kindern bis 12 Jahren hierfür Krankheitstage zur Verfügung. Der Lohn wird bei solchen Fehltagen von der Krankenkasse bezahlt, und nicht vom Arbeitgeber.
Kann dies trotzdem ein Grund sein, warum man bei ZARA augenscheinlich keine Lust auf junge Mütter hat?

Und ja, der Fortschritt der Technik mit RFID (was noch in einem anderen Beitrag erklärt wird) macht auch vor ZARA nicht halt. Demnach werden morgens beispielsweise nicht mehr so viele Kollegen zum Auffüllen der Ware benötigt, wie zu Zeiten, als dieses noch von Hand erfolgte. Trotz allem ist dieser Umstand keine Entschuldigung für die Art und Weise, wie hier Menschen einfach abgespeist werden sollen! Mal ganz abgesehen davon, dass komischerweise Leiharbeiter ab 8.00 Uhr eingeplant werden! Es ist höchste Zeit, dass sich ZARA seiner sozialen Verantwortung bewusst wird, und sich dieser stellt. Schließlich hat das Unternehmen auch jahrelang gut und gerne von den jungen Mitarbeitern profitiert, die mit viel Energie zu den bombastischen Umsätzen beitrugen!

Im zweiten Teil zu diesem Thema geht es um Lösungsansätze, die ZARA als verantwortungsbewusster Arbeitgeber den Müttern anbieten könnte. Es ist eigentlich gar nicht kompliziert, diese Probleme zu lösen - wenn man dafür nur bereit wäre…

Sonntag, 11. Juni 2017

Streikaktion Nummer Zwei - Und wir sind noch lange nicht am Ende!

Datum:        Freitag 09.06.2017.

Uhrzeit:       ca. 09:30 Uhr

Einsatzort:   München, Kaufingerstr. 14,
                    unmittelbar vor der ZARA Filiale

Alle Menschen arbeiten. Alle? Nein, nicht alle. Eine kleine und aufmüpfige Gruppe von streikenden ZARA- und H&M-Mitarbeitern postieren sich vor einer ZARA Filiale im Süden Deutschlands. Genauer gesagt in München, vor der ZARA Filiale in der Kaufingerstraße.





Wir wenden uns, wieder einmal, lautstark und mit einiger Wut im Bauch gegen die Arbeitgebervertreter, die auch in der zweiten Tarifverhandlungsrunde ihre lächerlichen Angebote um 1,5% Gehaltserhöhung beibehalten haben. Als Zeichen unseres Unmutes haben wir uns einer der "Prestige"-Filialen der gesamten Kaufingerstraße vorgenommen: ZARA!

Wie schon vor einigen Wochen (siehe Artikel vom 26.05.17), waren alle Beteiligten nicht besonders gern gesehen. Aber man war diesmal auf uns bestens vorbereitet. Nicht nur, dass das Gittertor der Filiale komplett heruntergelassen war (es war ja noch nicht Ladenöffnungszeit), sondern man hatte sich einen zusätzlichen Security Mann zu dem Doorman dazu geholt. Kurz zur Erläuterung, in der ZARA Filiale der Kaufingerstr. wird normalerweise erst ab mittags ein Doorman an die Tür postiert. Aber besondere Ereignisse verlangen offensichtlich nach besonderen Maßnahmen.



Zurück zum Geschehen. Nach einigen Sprechparolen und weniger aufmunternden Worten an die Verantwortlichen in der Filiale und an den Arbeitgeberverband, öffnete der Laden pünktlich um 10:00 Uhr und wir protestierten bei jedem Kunden, der rein oder raus wollte. Sichtlich genervte Kunden gingen missmutig an uns vorbei und in den Laden rein und wieder raus.

Die ganze Zeit hat ein Team von RTL die Aktionen von uns mit gefilmt und einige Kolleginnen und Kollegen interviewt. Wir sind gespannt auf das Ergebnis und werden Euch hier darüber berichten. Eine weitere sehr interessante Randnotiz. Einige von uns bemerkten einen eifrig uns fotografierenden Mann mit markantem Bartwuchs. Jeder der in der ZARA Filiale Kaufingerstr. arbeitet erkannte ihn sofort. Es war ein Leiharbeitnehmer, der regelmäßig bei uns tätig ist. Mit seinem professionellem Fotoequipment fotografierte er alles und jeden. Als wir ihn fragten was er hier machen würde antwortete er, dass er von der "Presse" wäre und heute nicht bei uns arbeiten würde.

Ein Wort im Vertrauen: WIR GLAUBEN DIR NICHT! Presse? Presseausweis? Vielleicht so einer?



Oder so einer?



Oder doch lieber so einer?



Presseausweise am Computer erstellen und ausdrucken kann jeder! Nur vorsorglich, falls ZARA glaubt uns ver***schen zu können:

Wir machen erneut darauf aufmerksam, dass jegliche Nutzung des Film- und Fotomaterials von den Kolleginnen und Kollegen strengstens untersagt ist und strafrechtlich verfolgt werden wird, sollte das Unternehmen KG ZARA B.V. & Co. sie unerlaubterweise für seine Zwecke verwenden.

Nach gut einer halben Stunde haben wir uns dann entschlossen "eine Tür" weiter zu gehen und die Belegschaft und Verantwortlichen der H&M Filiale an der Straßenecke der Kaufingerstr. und Liebfrauenstr. mit unserer lustigen Gruppe zu beglücken. Also marschierten wir gut gelaunt und lautstark wieder in die Filiale hinein und besuchten alle Etagen des Ladens um auf uns aufmerksam zu machen. Nach diesem kleinen Intermezzo ging es dann (ohne ver.di Streikwesten) Richtung Gewerkschaftshaus. Dort klang dann, nach einer kleinen Rede seitens Gewerkschaftssekretärs Dominik Datz, die ganze Veranstaltung aus und wir alle gingen in unser wohlverdientes Streikwochenende. - War auch wirklich anstrengend alles!



Wir harren der Dinge die da noch kommen aber eine Bemerkung sei noch erlaubt. Der Mutterkonzern von ZARA, nämlich INDITEX, hat verlauten lassen, dass man nicht besonders "amused" (engl.: "erfreut") sei, dass ZARA und INDITEX wieder einmal in den "negativ Schlagzeilen" der Medienlandschaft ist. Man hat bemerkt, dass die Art und Weise, wie mit der Stammbelegschaft umgegangen wird (Freistellungen, betriebsbedingte Kündigungen ohne Grund, Benachteiligungen der Mütter usw.) nicht besonders gut ankommt. Hinzu kommt noch, dass man bzgl. der Leiharbeitnehmer ein "vorübergehendes" Einstellungsstopp angewiesen hat. Wir werden sehen, ob dieser Einstellungsstopp nur für die Streikzeit oder generell gilt und was mit der Stammbelegschaft und den immer noch nicht nachbesetzten Stellenvakanzen passieren wird. Wir halten Euch auf jeden Fall auf dem Laufenden.

In diesem Sinne:


Auf zur nächsten Runde!!!


Montag, 29. Mai 2017

Schwitzen für ZARA - wenn das Arbeiten zur Qual wird...



Der Sommer steht vor der Tür. Auch in München freut man sich inzwischen über die Sonne, und dass man das Wetter endlich mal wieder genießen kann - außer man arbeitet bei ZARA:



In einer Filiale funktioniert seit dem Umbau im letzten Jahr die Klimaanlage nicht richtig, oder gar nicht. Bei einer neuen Klimaanlage sollte man das Problem eigentlich schnell in den Griff bekommen und es sollte kein großes Thema sein denkt ihr? Leider falsch.



Da Inditex, der spanische Mutterkonzern von ZARA durch eigene Firmen aus Spanien den Umbau vorgenommen hat, und spanische Technik verwendet, ist dieser Umstand ein Riesenproblem. 

Die Klimaanlage funktioniert aktuell wieder mal seit Wochen nicht richtig - die benötigten Ersatzteile werden aus Spanien bestellt, weil diese in Deutschland nicht verfügbar sind. Handwerker vor Ort können nicht weiterhelfen. Währenddessen schwitzen Kollegen und Kunden gleichermaßen… wochenlang!

Aktuelle Temperaturmessungen zeigten Werte von teilweise über +30 Grad Celsius im Store! Wie soll man das bei der geforderten körperlichen Arbeit als Mitarbeiter den ganzen Tag aushalten.? Bereits ab +26 Grad ist der Arbeitgeber verpflichtet, dementsprechende Schutzmaßnahmen zu ergreifen. 



Welche Maßnahmen ergreift ZARA aktuell? 


Wenn man die Manager fragt, bekommt man Antworten, wie „Ich habe eine eMail geschrieben, bin dran..“, oder „Der Techniker ist informiert..." - das hilft aktuell aber nicht weiter!

Es wurden Klimageräte vereinzelt aufgestellt - endlich. Die Vorgeschichte hierzu ist, dass diese Klimageräte seit Monaten bereit standen, aber aus Imagegründen nicht auf die Verkaufsfläche gestellt wurden, Entscheidung einer Produktmanagerin ZARAs, die selber nicht im Laden arbeiten muss.
Ist Image mehr wert, als das Wohlbefinden und die Gesundheit von Menschen? 

Man könnte als Maßnahme auch die riesigen Monitorwände hinter den Kassen zeitweise ausschalten, um diese zusätzliche Wärmequelle zu vermeiden - auch hier weigert sich ZARA, während die Kassierer um die Wette schwitzen müssen.
 Einfachen Maßnahmen, wie z.B. wenigstens das Bereitstellen von Mineralwasser für die Kollegen wird schlicht nicht nachgegangen! Sind das Zustände, die man heutzutage im Einzelhandel ertragen muss? Wo bleibt hier die Menschlichkeit?

Die getätigten Maßnahmen reichen bei Weitem nicht aus, um hinnehmbare Temperaturverhältnisse auf der Verkaufsfläche zu erreichen, und der Sommer kommt erst noch..!



Es ist eigentlich traurig, dass man über ein so scheinbar banales Thema einen ganzen Artikel schreiben muss, aber unsere Kollegen quälen sich unnötig täglich bei derartigen Temperaturen und Sauerstoffverhältnissen. Kunden können den Store jederzeit wieder verlassen, wenn es ihnen zu warm wird - unsere Mitarbeiter müssen diese Verhältnisse den ganzen Tag aushalten!

Der örtliche Betriebsrat mahnt diesen Umstand ständig bei den Führungskräften an, darf jedoch nicht selber Schutzmaßnahmen einleiten. Es wird bald wohl eine Betriebsvereinbarung "Klimaanlage" verhandelt werden, in welcher genau geregelt wird, welche konkreten Maßnahmen bei derartigen Temperaturen ergriffen werden müssen. Traurig, dass es soweit kommen muss...